klagen und trauern. beim thema “jammern” und “es leicht(er) nehmen” drehe ich mich immer wieder um die frage: wann ist es jammern und wann ist es klagen?
pierre stutz hat auf seiner cd “alltagsrituale” eine meditation zu diesem thema. und weil ich nicht weiterkomme, habe ich sie mir wieder einmal angehört.
stutz meint, wir brauchen nicht jammern lernen, weil das können wir gut. wir jammern und müssen nichts verändern. *stolper* was heißt das?
als erstes fällt mir das gewicht ein. da kann ich angeben.
übers gewicht zu jammern hab ich vor ein paar jahren aufgegeben, als mir eine freundin gesagt hat, dass es nervt. mich hats auch genervt. es ändert nichts, ich fühl mich nur schlecht und durchs jammern noch schlechter, weil ich die sache nicht mehr von einer anderen seite sehen kann. damals hab ich beschlossen, es mit fassung zu tragen und auch großzügiger mit mir zu sein, solange ich so bin, und mir immer schöne kleidung zu kaufen, um mich gut zu fühlen. das war ein guter plan. hat funktioniert.
ich bin im übrigen lieber schlank, es ist mir NICHT egal.
als nächstes fällt mir ein, dass ich immer wieder über dinge zum klagen komme, die abgehakt sind. da gibt es eine auslöserin und *patsch* gehts mir nicht gut. das ist wirkliche klage, denke ich. wobei in dem fall für mich persönlich irgendwann wieder der moment kommt, wo ich mir denke: ich mag es jetzt loslassen. *stolper* schon wieder gefährliches terrain: etwas loszulassen ist, meiner meinung nach, immer eine höchstpersönliche entscheidung. niemand darf sagen “man muss auch einmal loslassen können” und einer anderen damit den schmerz absprechen. passiert dies, empfehle ich den gezielten sprung ins gesicht – aber vorher fingernägel wachsen lassen, damit es sich auszahlt.
also immer wieder klagen, weil was verwundenes wieder hochkommt, ist für mich klagen.
die höchstpersönliche entscheidung – schwierig, da ein gutes gespür für sich selber zu kriegen. abgesehen von leuten, die zu viel jammern – nicht klagen – gibt es auch noch die, die klagen und meinen, sie wären hysterisch und würden nur jammern. – das system ist störanfällig, man kann sich auf diese weise gut selber verletzen.
als drittes gibt es natürlich noch die klage über aktuelle situationen. stutz zählt da zb arbeitslosigkeit auf, sterben eines geliebten menschen, trennungen …
er sagt, die klage ist, das hinausschreien aller gefühle. im ganzen leben, in grenzsituationen. es muss klage- und trauerräume geben, orte, an denen man geschützt wird, im schmerz. im klagen zeigt sich die lebenskraft. wo es um babys geht, steht auch zu lesen (nicht bei stutz
), dass weinen repariert, was verletzt wurde. deswegen: dem baby das weinen erlauben!
und da kommt stutz zu seinem letzten punkt. nicht nur dem baby das weinen zu erlauben, es zu halten und einfach da zu sein, damit es spürt, es ist auch im weinen geliebt und gehalten. er spricht über erwachsene und sagt, in schwierigen zeiten können wir einander stützen und einfach da sein. das mag ich auch. gott als wesen ist nicht greifbar für mich. aber andere menschen sind es und ich selber kann auch so ein anderer mensch sein.
ein fazit brauch ich noch: schwierig für mich jammern und klagen auseinanderzuhalten. ich stelle es mir am ehesten so vor, dass ich in der lage bin, die dinge, die mich zum klagen bringen zu betrauern und sie immer wieder loszulassen um mich dem lebensfluss (der mir sicher wieder neues zum betrauern bringt
– das nennt sich jetzt gelebter optimismus
) anzuvertrauen.
und ganz wichtig, während ich so vor mich hindenke: es ist eine eigene entscheidung, ich kann nur über mich reden. es ist ok, wenn mir jemand was sagt. aber es sind viel weniger menschen, die mir was über mein verhalten sagen können (in der lage dazu sind) und dürfen, als es menschen gibt, die meinen, sie könnten das. siehe: unerfüllter kinderwunsch. da meinen ja hinz und kunz ihre qualifizierte meinung, die da lautet “man muss loslassen” abgeben zu dürfen. tip: ins gesicht springen und vorher nägel wachsen lassen.