Ich kenne da so eine Frau, die mir erzählt hat, wie sie ihre Frauschaft über die Natur lebt. Also ihren Garten pflegt. 
Ich erzähle das innere Bild, das in mir entstanden ist.
Sie blickt in ihren Garten hinaus und entdeckt Klee, der Bienen anlockt und die könnten ihre Kinder stechen. Oder sie bemerkt, dass manche Büsche zu sehr wuchern. Das löst einen Beschützerinneninstinkt aus oder Unmut über die Ungerechtigkeit, dass manche Büsche sich so in den Vordergrund drängen. Also wirft sie sich in Gartenkleidung und Arbeitshandschuhe und rückt aus. Im ersten Fall mit Unkrautvertilgungsmittel, was den Rasen in einem Fall nicht so gut getan hat
oder sie holt im zweiten Fall eine riesige Schere (da fällt mir dieses unsäglich dämliche Märchen von dem Daumenlutscher ein, der im Struwwelpeter-Buch drin ist. Da wird auch so eine große Schere zum Daumenabschneiden verwendet), fegt damit durch den Garten und stutzt alles zurück, was sie findet. Als Herrin über die Natur und über ihren Garten. Danach sitzt sie wahrscheinlich entspannt bei einem Kaffee im Garten und ist stolz auf ihr Werk. 
Ich persönlich habe ja immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich meinen Pflänzchen was antun muss. Ich höre sie direkt jammern und schreien. Ich will ihnen nicht wehtun und ich will sie auch nicht ihn ihrem Wachstum beeinflussen. Nun schaut aber mein Zitronenbaum so sterbend aus (er hat alle Blätter verloren) und in so einem Fall kann ich mein schlechtes Gewissen beiseite schieben. Ich habe ihn radikalst zurückgestutzt. Denn mal ehrlich, wenn diese Frau das richtig findet, dann darf ich das auch. Und ich versuche ja eine Rettungsmaßnahme. Medizinische Gründe hat mein Akt der Grausamkeit.
Mein Zitronenbaum hat mir das übel genommen. Er hat mich gestochen, mit einem bösen langen Dorn – daraufhin hab ich den Dorn abgezwickt.
Tja. Ich kann natürlich mindestens drei Leute aufzählen, die nach solchen Verletzungen mit Rosen eine Blutvergiftung bekommen haben. Und sowas wie Tetanus, der nur auf kleine Teile des Körpers bezogen auftritt, gibt es auch. Wenn ich in den nächsten Tagen also nichts mehr schreibe, wurde mir mein Finger amputiert. Mindestens. 
