Die Welt hinter der Welt

Wenn ein geliebter Mensch stirbt oder ein Tier, dann hat man das Gefühl als würde die Welt für einen Moment stehen bleiben. Es wird kurz still, die Uhr steht, ein Stern erlischt. Es ist, als würde sich die Welt hinter der Welt auftun, als würde die Seele empor schweben um in den Armen Gottes freudig in Empfang genommen zu werden. Niemand derdie gehen muss, geht ins Leere. Alle werden in Liebe erwartet, in der anderen Welt. Dann schließt sie sich wieder und wird für uns fast unsichtbar.

Vielleicht ist es ähnlich, wenn ein Mensch gezeugt wird. Die Anderswelt öffnet sich, die Welten stehen still, für einen kleinen Moment. Die Sterne erstrahlen besonders hell und ein neuer geht auf. Einen Moment lang ist alles perfekt und eine kleine Seele wird aus Gottes liebenden Armen und mit ihrem reichen Segen versehen auf die Reise geschickt. Mutig und optimistisch zieht sie los, hat sie bisher doch so viel Liebe gekannt. Sie nistet sich ein, in einem feinen, warmen Bauch, wo sie viele Monate lang wachsen kann, in aller Ruhe.

Die Welt hinter der Welt. Sie ist immer da. Aber meist sieht man sie nicht, in der Hektik des Alltags. In manchen Momenten jedoch, da kommt es einer so vor, als würde sie was wahrnehmen, das anders ist. Eine Intuition, der Stillstand der Zeit, ein Schutzengel, der im letzten Moment eingreift, eine Fügung. Vielleicht sind sich Diesseits und Jenseits in manchen Momenten näher als sonst, verbinden sich, lassen die Grenzen durchlässig werden und wir spüren in diesem Moment wie groß das Leben in Wirklichkeit ist.

Manche müssen früh gehen, viel zu früh. Und auf andere wird lang gewartet.

So ist es. Warum – das bleibt ein Geheimnis der Anderswelt. Aber alle sind in Liebe geborgen, egal auf welcher Seite sie leben.

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