Vor mir liegen die Zettel, die mir meine Ärztin gegeben hat – Zettel, die in Ö jeder Schwangeren gegeben werden müssen. Wir haben sie verantwortungsbewusst durchgelesen.
- Combined Test: „Wenn Sie möglichst viel Information über ihr Kind haben wollen, jedoch eine Punktion (vorerst) vermeiden möchten, besteht die Möglichkeit, mit Ultraschalluntersuchung des Kindes und einer Hormonbestimmung aus Ihrem Blut die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ob Ihr Kind an einer chromosomalen Auffälligkeit leidet. Das nennt man Combined Test. … Aus dem Ergebnis Ihrer Blutuntersuchung und der Ultraschallwerte wird die Wahrscheinlichkeit für Down-Syndrom individuell für Ihr (Anm: hier fehlt wohl „Kind“) berechnet. … Bei einem auffälligen Ergebnis wird ein weiteres persönliches Gespräch über den Befund und die weitere Vorgangsweise mit Ihnen vereinbart. Sie können sich dann entscheiden, ob Sie eine Punktion vornehmen lassen wolle. Nur so wird aus einer Wahrscheinlichkeitsberechnung ein echtes Befundergebnis. Man denkt an eine Punktion bei einer Wahrscheinlichkeit von 1 in 300 oder mehr (also zB 1:280) … „
Auf dem selben Zettel steht: „Der einzige Weg, einen derartigen Chromosomenfehler mit Sicherheit zu diagnostizieren/oder auszuschließen, ist eine Punktion des Mutterskuchens (Chorionzottenbiopsie) oder des Fruchtwassers (Amniozentese). Ein solcher Eingriff führt aber bei etwa einer von 100 bis 200 Frauen zu einer Fehlgeburt … „
- Auf Deutsch: Man macht zu einem Test, der keine tatsächliche Diagnose hervorbringt, sondern eine Wahrscheinlichkeit. Wenn die Wahrscheinlichkeit 1:300 ist, dann macht man eine Untersuchung, die das Kind in einem von 100 oder 200 Fällen abgehen lässt. Also ist die Untersuchung gefährlicher als die Chance auf ein krankes Kind. Die Angst, die zumindest ich in der Zeit ab der Information über die Wahrscheinlichkeit durchstehen würde, wird wohlgemerkt nicht beschrieben. Eltern können völlig frei entscheiden, ob sie dann die Amniozentese machen wollen oder nicht – ja klar. Wie frei man halt innerlich ist, wenn man eben noch guter Hoffnung war und plötzlich der Panik anheim fällt. Angst ist selten eine gute Ratgeberin.
Wenn ich im Falle einer Behinderung nicht abtreiben will, kann ich mir den Test sparen, hat die Ärztin gesagt. Und das will ich nicht, also spar ich ihn mir.
