Dieses Wetter fängt an mir auf den Nerv zu gehen. Kopfweh. Meine Laune war in der Früh mäßig, als das Flaschi von Livia, das nicht erst seit dem letzten Abend am Nachttisch des Tirolers stand, von ebendiesem kippte und den Teppich, die Wand, seine Chinesischbücher, kurz: die Umgebung mit Milch benetzte, mit saurer. Da der Tiroler mit dem Kindchen im Salzburgischen weilt, um die Familie zu besuchen (weshalb das Flaschi auch nicht erst seit dem Abend davor ..), schrieb ich ihm zuallererst eine böse sms und kümmerte mich dann um die Sauerei. Nachdem der Teppich wieder aus der Badewanne draußen war und am Balkon zum Trocknen lag und auch alles andere gereinigt war, konnte ich guten Gewissens einen Kaffee trinken. Edeltraud, die ich per sms informiert hatte, dass ich den Sturzplatz anfahren würde, um Gerümpel abzuladen, fragte indessen im ganzen Haus hektisch nach Sperrmüll. Außer bei FrauVieh. Bevor sie FrauVieh fragte, fragte sie mich, ob sie das dürfe (nehmen sie mich am Sturzplatz nur wenn ich genug Müll mithabe?). Ich mag FrauVieh nicht. Oder sagen wir: Unser Verhältnis ist gespalten. Ich mag sie eher nicht, aber in manchen Momenten steigt so eine Zuneigung in mir auf, dass ich sie doch wieder mag, obwohl sie ein bisschen einen unangenehmen Vogel hat. FrauVieh leidet darunter, dass ich so laut gehe. Sie findet unser Kindlein arm, weil wir es quasi mitten in der Nacht aus dem Bett reißen und zur Tagesmutter bringen (um dreiviertel acht in der Früh). Sie würde sich nie in den Garten setzen (wo am Nachmittag das halbe Haus versammelt ist und plaudert) und ist auch sonst keine sehr angenehme Person. Aber in ihrer Angst vor Einbrechern, sonstigen Übeltätern, bösen Nachbarinnen, die zu laut gehen, sie nicht ernst nehmen könnten … mag ich sie. Weil sie da menschlich wird. Deswegen und weil ich nicht so ein Zwerg bin, dass ich den ganzen Müll mitnehme außer den von FrauVieh, habe ich natürlich auch ihre Pölster und Radio eingepackt und zum Sturzplatz gebracht. Ich hab dann, weil ich schon dabei war, das Auto aufgeräumt, es gewaschen und wollte sogar saugen. Aber der Tankstellenstaubsauger war kaputt. Meine Taten haben mich mit so großem Stolz erfüllt, dass ich gleich wieder Gerümpel nachrüsten musste und zum Ikea gefahren bin. Nein. Wohnzimmerlampe. Mit dem Tiroler vereinbart, dass wir sie kaufen. Maskros. Die Kleinere. Seitdem es einmal aus einer Steckdose geraucht hat, die ich selber angeschlossen habe, vermeide ich den engeren Kontakt mit Elektrizität und warte auf den Tiroler. Oder auf Ottilie. Die sich morgen in der Früh mit der Maskros beschäftigen will. Ich bin aus dem Urlaub daheim geblieben, um die Wohnung in Ordnung zu bringen. Diese Kindchensache hat mich echt verändert. In eine Variante des Erwachsenseins. Sie betrifft nicht die Bügelwäsche, nicht die Putzerei, aber beim Entrümpeln bin ich gewachsen.

August 5, 2011 um 06:56
ganz besonders mag ich die stelle, wo du gerümpel nachrüstest und das dein erwachsensein die bügelwäsche und putzerei nicht betrifft!
… wie schauts eigentlich mit deinem buch aus?
August 5, 2011 um 08:12
dankeschön!
es liegt hier und wartet darauf, dass ein expose entsteht und verschickt wird.