Umwege

Der Tiroler und ich fahren gerne miteinander Auto. Das heißt, ich fahre, er sitzt daneben, mit der Karte in der Hand und sagt mir wohin, damit wir unser Ziel erreichen. Ich folge nicht und fahre, wie ich meine, dass es richtig ist. Manchmal wird er böse, weil er findet, dass ich ihm nicht vertraue. Ich finde, dass ich nicht einfach tun kann, was er mir sagt, wenn ich denke, dass was anderes richtig ist. Ich bin ja brav, wenn ich es auch für richtig halte. Sonst widerborstig. Ungünstigerweise ergibt es sich manchmal, dass sich in mir Meinungen zu Richtungen entwickeln, die falsch sind. Er erzählt ganz gern, wie ich in Catania beim Flughafen, wo ich zugegebenermaßen nicht ortskundig bin, im Kreisverkehr bei der verkehrten Ausfahrt rausgefahren bin, weil ich den Eindruck hatte, dass das richtig so ist. Und das obwohl ich ihm vorher versichert habe, dass ich da raus fahre, wo er sagt (vermutlich war er schon von einem früheren Vergehen meinerseits sauer).  Wir waren dann irgendwo auf einem Feldweg. Das hat ihn geärgert, denn er hat es mir ja gleich gesagt… Außerdem war der Feldweg nicht eingezeichnet. Italienische Straßenkarten haben oft Fehler, sagt der Tiroler. Ich sage, er kann sie nicht lesen und das obwohl er bei den Pfadfindern war. Das macht ihn noch viel böser, als meine Widerborstigkeit und ich gebe zu, dass ich es auch nur sage, weil er so herzig ist, wenn er sich mit mir ärgert. Ich sage dann, dass ich finde, wenn ich uns Tausende Kilometer durch den Urlaub chauffiere auch die Macht übers Lenkrad habe. Denn er fährt ja nicht Auto oder halt so ungern und selten, dass ich sagen kann, er fährt eigentlich nicht Auto. Diesbezüglich haben wir mehrere Phasen durchgestanden. Die, wo es egal war, die wo es nicht egal war und die, wo ich einverstanden bin. So gern ich daneben sitzen täte und mich entspannen und raus schauen, so klar ist mir geworden, dass ich daneben sitze und mich keinesfalls entspanne. Es ist viel besser, wenn ich fahre und des Tirolers Abbiege-Anregungen aufnehme, wenn ich es für richtig halte und sonst eben nicht. Heute, wo ich einmal nicht widerborstig war, weil ich auf sein eindringliches “das Navi sagt aber” reagiert habe, wäre unser Umweg auch nur fünf Kilometer gewesen und wie von mir prophezeit wäre die Riegersburg auf der Schlösserstraße gelegen. Da wir uns aber schon zuvor verfahren hatten und er mit seinem Drei-Handy, dessen Netzanbindung in der Oststeiermark endenwollend ist, begeistert die Strecke heraussuchte, war ich lieber “vernünftig”, wie er es nennt.

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn. 1 Kommentar »

Eine Antwort zu „Umwege“

  1. Alles für die Familie Sagt:

    Ich bin aus zufall auf deinen Blog gestoßen und konnte ehrlich gesagt nicht aufhören zu lesen.
    Wirklich toll erzählt. Ich hoffe ich lese noch mehr :)


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