Freundeswahnsinn

Es wird Zeit auch Gastbeiträge entgegen zu nehmen. Auch andere Menschen kämpfen mit unmöglichen Situationen und ziehen Gewinn daraus. So Charlies Tante, die mich heute unterhalten hat, mit ihrem Kampf gegen die Wespen.

Liebe Kathi, hier sind also die letzten 12 Stunden meines Lebens:

1. Katzennetz und andere Bespaßungselemente am frisch sanierten Balkon anbringen. Waren ja nur 12 qm, hihi! Und draußen nur ein wenig Hitze (moderat unter 30°).
2. Mit den Mietzen bis in die Puppen auf dem besagten Balkon rumhocken, ihnen zureden, dass alles bestens sei – und doofe Blicke ernten. (Vielleicht zu laut wegen Hexenschuss gejammert.)
3. Um Mitternacht habe ich mich dann in die Gemäche zurückgezogen, immer mit dem Blick auf die Fellnasen. Dabei eine junge, unerfahrene Wespe erwischt, die im Büro wie blöde um die Lampe kreiste.
4. Dreimal die Wespe rausgeschmissen.
5. Beim vierten Mal erkannt, dass es nicht die selbe war. Weil:
6. In der Küche etwa zehn ziemlich genervte Wespen gesichtet. Die ließen sich nicht verjagen. Und auf dem Boden hockten zwei neugierige Kater. Habe also getötet … Die Wespen … (mea culpa)
7. Ins Schlafzimmer gegangen. Da brummte es. Weitere zehn Wespen. Als ich dann fertig mit dem Morden war, legte ich mich ins Bett. Die Kater kamen zu mir. Und plötzlich hörte ich: Es brummt!
8. Nochmals gemordert. Die Kater schnurrten.
9. Um 3.30 Uhr schliefen wir dann friedlich ein.
10. Um 6.30 Uhr: verdächtige Geräusche! Kroch aus dem Bett und hörte vom Göttergatten, grad fertig fürs Büro (!): „Na, ausgeschlafen?“

Das war schon wahnsinnig, weil ich nachts nebenbei im Internet gesurft habe und auf einem Ahnen-Portal eine Frau entdeckte, die vor 5 Jahren die Daten meiner Oma hinterlassen hatte. Und ich glaube sogar, ich kenne diese Frau aus meiner Teenie-Zeit. Sie müsste meine Tante sein.
Und das alles habe ich Katzen und Wespen zu verdanken …🙂

In diesem Moment findet das Leben statt

Ich will einmal versuchen was über Achtsamkeit zu schreiben.
Ich gehe davon aus, dass der gegenwärtige Moment derjenige ist, in dem das Leben stattfindet. Ihn kann ich gestalten, alle anderen Momente, Zukunft und Vergangenheit, sind nur durch Denken erreichbar. In Gedanken durch die Zeit reisen zu können, mich zu erinnern oder Pläne zu schmieden ist natürlich ganz nützlich, aber man braucht es nicht ständig. Ist man ständig woanders, versäumt man das was jetzt gerade ist, also das Leben. Deswegen versuche ich präsent zu sein und meine Gedanken, die wild in alle Richtungen rennen, auf das was jetzt passiert zu fokussieren oder einfach auf meinen Atem. Abgesehen davon, dass ich den Moment gestalten kann, kann ich ihn auch einfach erleben. Ich schaue dem Trubel zu und mir zu und das Zuschauen führt auch zu einer nützlichen Distanz.

Mich von meiner Befindlichkeit zu distanzieren, wenn ich stillend im Servicecenter der Stadt Graz sitze und warte bis der Hagel aufhört fällt mir leicht. Nichts drängt uns, wir haben Zeit, können das in Ruhe abwarten und dann gehen. Und dann ist da so viel. Der kecke Fünfjährige, der begeistert die Kaugummis unter den Stehtischen zählt, sie angreifen und am liebsten herunternehmen möchte. Die Mutter, die die zwei anderen Kinder in die Spielecke bringt und ihren Größten davon abhält, die Kaugummis auch nur anzugreifen. Die zwei Männer und die Frau im gestreiften Kleid, die über den Umbau fachsimpeln und durch den Raum gehen und Dieses und Jenes erwägen. Wartende, die unterschiedliche Sprachen sprechen. Ein großgewachsener Mann, der sich bei seinem ebenso großen blonden Begleiter aufregt, dass er einen neuen Pass braucht. An der Wand hängt der Studentenausweis einer Frau, die Pharmazie studiert hat, 1938. Daneben ihr Reisepass. Im Hintergrund donnert es. Draußen rauscht es, weil  so viel Wasser vom Himmel kommt. Ein kleines Mädchen zieht mit seinem Regenschirm eine Spur auf dem Boden. Hier, in diesem Moment, ist das Leben. Das Leben kommt nicht erst im Urlaub, beim Essen, oder beim Sex, sondern es ist jetzt da, in so einer banalen Szene.

 

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Der Gott des Trubels

Wir brauchen Reisepässe. Deswegen haben wir den Weg zum Fotografen angetreten, der wenig begeistert war. Für sowas muss man einen Termin ausmachen, denn auch Babys brauchen diese biometrischen Passfotos, und das dauert, bis man es hinkriegt. Das heißt, man macht von einem Baby ein Foto vor dem weißen Hintergrund. Die Hand der Mutter, die das Baby hält, darf nicht zu sehen sein. Das Baby muss den Kopf gerade halten und zum Fotografen schauen. Gnädigerweise hat er es ohne Termin mit uns probiert.

Jeder Mensch, der einmal ein Baby erlebt hat, weiß, dass das nicht ganz leicht zu machen sein wird. Deswegen normalerweise ja auch Termin. Was sich Leute denken, die solche Gesetze erlassen weiß ich nicht. Wahrscheinlich fühlen sie sich heldenhaft, weil sie die Welt vor Babyterroristen schützen.😉

Es hat dann funktioniert. Der Fotograf hat drauf losgeknipst und Rosalie war zum Glück gnädig. Ich war schweißgebadet und sehe auf meinem Passfotos auch aus wie eine Mutter von zwei Kindern, die dringend Urlaub braucht. Authentisch also.

Der Tiroler hatte mir für jenen Tag gutes Wetter vorausgesagt. Er zeigte mir die Seite der zamg, die für Graz keine Wetterwarnung herausgegeben hatte. Es würde nicht regnen und nicht hageln und ich solle kein Theater machen. Ich hatte nämlich auf orf.at gelesen, dass extrem schlechtes Wetter angesagt war und sorgte mich wie ich mit Baby und Kind in Sturm und Hagel und vor allem Gewitter, diese blöden Wege tun sollte.

Und schließlich warteten wir schon im Servicecenter. Den Portier, der die Dokumente überprüft, hatten wir schon hinter uns, es wurde finsterer und finsterer. Livia wurde ungeduldig, Rosalie raunzig, wir kamen dran. Reisepässe für drei Leute zu beantragen dauert eine halbe Stunde. Glücklicherweise war uns die Beamtin gnädig und hat Rosalie übernommen wenn ich unterschreiben musste. Für Livia und Rosalie musste ich in Blockbuchstaben „unterschreiben“.😉 Draußen wurde es weiterhin dunkler und es begann zu donnern. Ich sortierte mit einer mittlerweile weinenden, da hungrigen, Rosalie schnell die Dokumente ein. Livia jammerte, denn sie musste aufs Klo. Im Warteraum wurde klar, dass die zamg Unrecht hatte, denn es hagelte und gewitterte vom Feinsten. Livia gings aufs Klo, weinend, denn sie wollte sofort ein Eis und sorgte sich was passiert, wenn es bis in die Abendstunden regnet und hagelt. Ich stillte Rosalie. Eine Mutter mit drei Kindern wies indessen neben uns ihren Ältesten verzweifelt an, die Kaugummis unter den Stehtischen nur zu zählen und bitte nicht anzugreifen. Zwischen uns standen Leute, die einen Umbau im Wartebereich planten und besprachen diesen miteinander. Rosalie konnte sich halbwegs konzentrieren trotz der geschäftigen Geräuschkulisse und weinte nur wenig die Brust an.

Der Gott der Mütter ist eindeutig der Gott des Trubels.

 

Bei uns

Rosalie ist neun Monate alt und wir kriegen wieder eine Art geregelten Alltag. Sie isst. Butterbrot, Karfiol, Broccoli, Wassermelone, Kartoffel, Erbsen, Mais. Apfel(mus). Sie isst gerne selber, manchmal füttere ich sie, wenn sie es mir erlaubt. Dann ist sie ganz angebröselt, trotz Ganzkörperlatz, den wir noch von Livia haben. Ganz angebröselt bröselt sie dann auch den Boden voll und sogar das Bett, wenn man nicht alle Brösel rauskriegt, oder mich und ich dann das Bett. Selten hab ich so oft das Bett überzogen. Wo ja noch dazukommt, dass sie am Wickeltisch nicht mehr zu wickeln ist, weil sie sich so schnell und lebhaft bewegt. Der Versuch ihr am Bett die Windeln anzulegen hat unlängst im Überziehen des Bettes geendet. Zu Livias Freude. Denn sie wollte eh noch nicht schlafen gehen und hat geholfen. Der Tiroler war in einem Konzert und ich glücklicherweise in einem Zustand post Yoga, der es mir erlaubt hat ganz gelassen und Moment für Moment meiner Mutterrolle nachzugehen, obwohl ich schon einen Riesenhunger hatte.

Die Mädels verstehen sich blendend. Livia liebt ihre Schwester über alles. Sie verbringt Zeit mit ihr, tröstet sie und versucht sie zum Lachen zu bringen. Und Rosalie lässt sich liebend gerne unterhalten. Beim Essen schaut sie immer zu Livia hin, die natürlich begeistert Unfug treibt und lacht. In der Nacht, wenn sie aufwacht und Livia bei uns schläft, rollt sie sich zu Livia hin und versucht mit ihr zu spielen. Livia fasst es aber nicht als Spielangebot auf, wenn man sie mitten in der Nacht an den Haaren zieht. Also am Anbahnungsstil muss sie noch arbeiten, die Kleine.

Was ich mich in diesem Sommer auch noch frage: Wie macht man es, dass man FlipFlops trägt, aber nicht schwarze Füße bekommt? Das schaut ja echt nicht schön aus. Die Idee sie in Danchlor zu baden, wie Tante Hermelinde meint, sehe ich kritisch. Zumal das ja auch nur das Problem am Abend löst, wo es eine einfache Bürste auch tut. Aber am Tag?

Vom Genovevas Gefährten hab ich schon erzählt. Ich hoff, der erste Stock entwickelt sich jetzt nicht zu einer Art Problemzone mit Frau Vieh, die unter dem Wasser leidet – aber heuer noch kein Wasserproblem – und der Dezibelfrage. Ich werd halt nichts  aumachen können. Das könnte mir als Kindesmisshandlung ausgelegt werden, wenn ich Livias Stimmbänder durchtrenne.😉 Also wir bestreiten unsere Wege weiterhin im süditalienischen Modus. 110 Dezibel.

Und am liebsten, am allerliebsten sitze ich in meinen raren stillen Momenten am Balkon, schaue in den Innenhof und lausche dem Klang der Welt. Muttersein kann, wenn man die Gelegenheit nutzt, ratzfatz zu Präsenz führen. Naja, ratzfatz ist es nicht gegangen, aber jetzt, nach vier Jahren Übung, schaffe ich immer wieder Gegenwärtigkeit und Freundlichkeit und das ist gut.

Das 60-Dezibel-Kind

Genoveva hat einen Liebhaber. Oder einen Partner. Ich weiß es nicht. Genoveva arbeitet nämlich mehr und ich hab seit Rosalie weniger Zeit, wir sehen uns also weniger und deswegen krieg ich nicht viel mit. Also weiß ich nur, dass es zeitweilen ein bisschen Probleme gegeben hat, sie waren getrennt und sind es jetzt gerade nicht mehr. Gesehen hab ich ihn heute. Genoveva hätte uns einander vermutlich vorstellen wollen, aber er hat die Initiative ergriffen. Zuerst hat er Livia gefragt, ob sie das 60-Dezibel-Kind ist. Dann hat er Rosalie angeschaut und dann hat er gefragt, ob ich eigentlich den Burschen kenne, der so laut Musik spielt. Lustiger Knabe, natürlich kenne ich in unserem 8-Parteien-Haus den Burschen, der so laut Musik spielt und alle paar Jahre besoffen auf der Stiege herumliegt. Der Liebhaber oder Partner hat mir dann gesagt, dass er mit dem Burschen eh schon geredet hat. Er ist zwar selber ein Lieber, aber er kann schon sehr streng sein, auch wenn man ihm das nicht ansieht.
Genoveva hat gesagt, sie werden jetzt dann gehen.

60 Dezibel sind  übrigens so viel wie eine Nähmaschine.

Ich würde meinen Livia pendelt sich eher bei 110 Dezibel ein, wenn sie eine Krise hat. Symphoniekonzert.😉

War nett ihn kennenzulernen. Wie er heißt, hab ich aber nicht herausgefunden.😉

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Unser Leben

Ich hab so lange nicht geschrieben. Die Flohplage hatte uns im Griff. Nach einem erneuten Biss, nachdem schon Ruhe eingekehrt war, beschloss ich, den Kammerjäger zu holen. So verbrachten der Tiroler, Rosalie, die Katze und ich am 22. Dezember ein paar Stunden im Auto, im Weihnachtsverkehr, während unserer Wohnung vergiftet wurde. Livia war im Kindergarten. Wir leisteten uns eine Nacht im Hotel und kehrten am nächsten Tag in unsere Wohnung zurück. Zur Flohplage habe ich nichts Lustiges zu sagen. Es ist schlimm, wenn man sich daheim nicht daheim fühlt. Wenn man den ganzen Tag mit Baby daheim ist, dann sind diese Bisse, was schlimmes. Diese Vieher kommen bis ins Bett und man wird hysterisch und fürchtet sich vor kleinen, schwarzen, fast unsichtbaren, springenden Punkten und alles ist mühsam.

Und dann war Weihnachten.

Und dann war Jänner.

Alles wieder aufräumen, alles waschen, bisschen Langeweile genießen.

Und dann wurden wir alle krank. Und wie das mit Rosalie ist, kann man im letzten Beitrag lesen. Und für mich ist es Wahnsinn. Krank sein, fast 39 Grad Fieber haben, Stillen, nichts essen können, immer schwächer werden, husten müssen, wegen Schnupfen nicht schlafen können, das Kind inhalieren lassen müssen, dem Kind Topfenwickel machen. Dann eine Brustentzündung bekommen, weil einem alles zu viel ist und man das ja nicht schaffen kann. Trotz Teilung der Arbeit mit dem Tiroler ist es sehr viel. Und Livia verbrachte ihren 6. Geburtstag dann allein vorm Fernseher und mit einem neuen Puzzle. Das war nämlich der Tag, an dem der Tiroler und ich am kränksten waren.

Vermutlich wird alles gut. Damit Platz für den nächsten Irrsinn ist.

 

Babys erste Krankheit

Rosalie ist krank. Genauso wie Livia, der Tiroler und ich. Seit einer knappen Woche. Grippaler Infekt, typisch mit zwei Fieberspitzen, soll heißen: Du glaubst Du bist gesund und dann kriegst Du doch noch einmal Fieber. Rosalie hustet, weil der Schleim in den Hals rinnt. Das will sie nicht. Also hustet sie und wenn sie gerade getrunken hat, spuckt sie die ganze Milch wieder hoch. Oder wenn sie weint, weil sie gerade unglücklich ist. Das führt dazu, dass man mehrmals täglich das Bett überzieht, wenn man Pech hat. Wir haben derzeit viel Pech.

Heute war sie im Wartezimmer der Kinderärztin unglücklich. Also zuerst nicht. Zuerst wollte sie trinken. Doch plötzlich wurde sie unglücklich. Sie schrie sich rein und rein und rein und verteilte spontan einen Viertel Liter soeben getrunkene Milch im Wartezimmer unserer Kinderärztin. Am Boden, auf den Spielsachen, in den Spielsachen. Und natürlich auf meinem Pullover. Ich putzte das und eine Mitmutter war so freundlich mir zu helfen und zu übernehmen,  denn wir waren schon dran. Rosalie war in diesem Moment unglücklich und beschloss das die nächste Dreiviertelstunde laut kund zu tun. Sie war es als sie abgehört wurde, liegend und bei mir am Arm. Sie war es, als die Kinderärztin was aufschrieb und ihr fernblieb. Sie war es als Blut abgenommen wurde am Kopf. Sie war es als wir nach einer Dreiviertelstunde gingen. Die Frage nach Entkräftung wegen dem häufigen Ausspeien von Milch stellte sich nicht mehr. Das Kind ist vital.