„Es anders machen ist auch noch kein Programm“

Das ist einer meiner Lieblingssätze, den meine Freundin M. vor Jahren von sich gegeben hat. Ich weiß nicht, ob sie sich daran erinnert, aber sie wollte mir mitteilen, dass sie es anders machen will als ihre Eltern, aber dass das nicht bedeutet, dass sie wüsste, wie sie das angehen soll. Das war sehr eindrucksvoll für mich, weil mir bewusst wurde, dass ich nachdenken sollte. Und jetzt habe ich Grund dazu.

Da habe ich mal die Möglichkeit mir über die Mutterrolle Gedanken zu machen. Meine Mutter war immer da. Außer donnerstags, da war Englischkurs. Das goutierte mein Vater nicht so richtig, donnerstags war er beleidigt. Mein Vater war nach der Arbeit immer da. Und ich glaube, sie waren glücklich so und damals war das auch normal, am Land. Und man konnte sich im Haus ja auch beschäftigen. Meine Mutter hat sich künstlerisch entfaltet und hat sich eine Werkstatt eingerichtet und ihre Sachen verkaufen können.

Wenn ich mir vorstelle, dass ich ab nun immer da bin, kriege ich Beklemmungen. Eltern sind natürlich mal die ersten Vorbilder, aber da mir bewusst ist, dass meine Eltern in dem Bereich keine Vorbilder sein können, weil ich anders bin, überlege ich mir, wie das gehen kann. Und wie mühsam diese Überlegungen sind! Wie gut, dass man andere Leute fragen kann.

Schließlich ist mir eingefallen: Eigentlich könnte mein Liebster doch am Samstag (es wird doch da einen Kurs geben?) mit unserem Baby zum Babyschwimmen gehen. Als Frau aus dem Ortstafelland halte ich Chlor sowieso für eine Beleidigung der menschlichen Würde 😉 und ich hätte freie Zeit. Es ist unglaublich, dass ich für sowas Simples wirklich nachdenken musste. Während meinem Mann die Idee sehr gut gefällt, hätte mein Vater eingeworfen, dass er leider nicht in der Lage ist ein Baby zu wickeln (echt!) und dass das deswegen nicht geht.

Rollenvorbilder sind was Feines. Da braucht man nicht viel denken, sondern kann sie nachahmen. Wenn sie wegfallen, muss man neue suchen (zB ein bisschen bei Freundinnen abschauen oder virtuell rumfragen) und viel denken. Und dazu kommt das schlechte Gewissen… Meine Mutter war ja immer da – werde ich zu wenig da sein? In anderen Ländern ist es völlig normal, dass Mütter arbeiten gehen. Im deutschsprachigen Raum hinken wir hinterher und es entsteht Druck. Ob ich das will oder nicht.

Eine spannende Zeit. Die aber doch was verlangt von mir und uns. Weil (m)ein Mann ohne entsprechendes Vatervorbild muss sich auch eine Menge überlegen und umdenken.

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