Haider rast betrunken in den Tod – wie „muss man“ fühlen und was „darf man“ sagen?

Im Netz kommt mancherorts die Diskussion auf, wie wenig mitfühlend es ist, auf den 1,8 Promille herumzureiten und auf der Geschwindigkeit. Weil Mutter, Frau und Kinder haben immerhin eine wichtige Person verloren.

Ja. Das haben sie. Das wird ihnen niemand absprechen und dass so ein Verlust entsetzlich ist auch nicht. Auch wenn viele finden, dass er sehr widerliche Dinge von sich gegeben hat und damit auch ausgelöst hat, andere trauern sehr, weil sie ihn auch anders kennen. Das kann doch wunderbar nebeneinander stehen, finde ich. Privatperson und öffentliche Person.

Angemessen würde ich es finden, wenn man die Trauer dort ließe, wo sie hingehört. Bei Familie und FreundInnen. Dass Kärnten, wenn man den Medienberichten Glauben schenkt, im Ausnahmezustand ist, dass im ORF über ihn berichtet wird (unkritischer hätte die Reportage am Samstag fast nicht sein können), als hätten wir einen Helden verloren, das geht zu weit.

Der Mensch ist das eine.

Der Politiker ist das andere. Und das kann man auch sagen. Haider hat die Grenzen immer mehr ausgeweitet und seine AnhängerInnen sind bereitwillig mitgegangen bei der Hetze. Wenn jetzt andere von „Pietät“ reden und meinen, dass man den Mund halten soll, verstehe ich das nicht. „Kärnten trauert und deswegen kann er ja nicht so ein schlechter Mensch gewesen sein“ – aha. Sehr überzeugend. 😉 Und darum, ob er nun ein schlechter Mensch war, geht es gar nicht. Er war ein Kind Gottes wie wir alle. Seine Qualität als Mensch steht – meiner Meinung nach – überhaupt nicht zur Debatte.

Es geht darum, wie verächtlich er sich manchmal geäußert hat, wie er Leute aufgehetzt hat (die sich auch aufhetzen haben lassen) und wie er von den anständigen Leuten geredet hat und schließlich selber sturzbetrunken in den Tod gerast ist.

Kurz über den Grazer Wahlkampf. Das BZÖ schrieb auf Plakate: „Wir säubern Graz“ von Ausländern und Bettlern übrigens. Sie verteilten auch Besen. Und dieser Politiker war Kern der Partei  http://www.wahlkampfbarometer-graz.at/cms/index.php?id=78

Wenn Petzner gestern in den Nachrichten sagt, dass das alles nun eine Dimension erlangt, die nur mehr die Privatperson Haider trifft, kann ich nur den Kopf schütteln. Er ist immerhin mit einem Dienst(!)Auto auf einer öffentlichen Straße gefahren. Unfälle sind niemals privat. Der Staat mischt sich immer ein. Lebende müssen ihren Führerschein abgeben und erhalten Strafen. Und dass den ersten Stein werfe, wer ohne Sünde sei – auch darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Grundsätzlich ist das richtig. Aber man beachte, von wem diese Sätze kommen. Ich denke, man kann nicht mehr fordern, als man zu geben bereit war. Und gerade diese Gruppierungen haben es so gar nicht mit der Großzügigkeit gegenüber anderen.

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Veröffentlicht in Dieses und Jenes. 1 Comment »

Eine Antwort to “Haider rast betrunken in den Tod – wie „muss man“ fühlen und was „darf man“ sagen?”

  1. sommerschwester Says:

    Dem kann ich, aus der „Ferne“, nur zustimmen. Ich gestehe, dass ich mich über so manchen Politikerkommentar (vor allem bei SPÖ) sehr sehr gewundert oder auch geärgert habe.


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