Der Kachelofen

Handelnde Personen: Mutter, Tochter

2004 – bei jedem zweiten Telefonat (ungefähr 26 mal im Jahr)

Mutter: So ein schöner Kachelofen. Den müsst ihr benützen. Holz ist ja überhaupt kein Problem, da fährst Du zu einem Bauern. Schaut sicher gut aus, im Wohnhzimmer gelagert. Ich hab das schon bei der Christine gesehen, sie haben das ganz phantasievoll gemacht.

Tochter: Ich muss einmal den Rauchfangkehrer holen..

2005 (bei jedem zweiten Telefonat ….)

Mutter: So ein schöner Kachelofen. Den müsst ihr benützen. Holz ist ja überhaupt kein Problem, da fährst Du zu einem Bauern. Schaut sicher gut aus, im Wohnhzimmer gelagert. Ich hab das schon bei der Christine gesehen, sie haben das ganz phantasievoll gemacht.

Tochter: Ich muss einmal den Rauchfangkehrer holen..

2006 (bei jedem zweiten Telefonat…)

Mutter: So ein schöner Kachelofen. Den müsst ihr benützen. Holz ist ja überhaupt kein Problem, da fährst Du zu einem Bauern. Schaut sicher gut aus, im Wohnhzimmer gelagert. Ich hab das schon bei der Christine gesehen, sie haben das ganz phantasievoll gemacht.

Tochter: Ich muss einmal den Rauchfangkehrer holen.
2007 ist die Tochter mürbe und holt den Rauchfangkehrer. Dieser sagt, der Kachelofen ist ein alter Herr. Sie darf ihn eine Saison lang benützen, wenn aber eine Kachel locker wird, sofort aufhören und anrufen. Außerdem gehört er 2008 saniert. Ein paar Monate nach dem Besuch des Rauchfangkehrers wird eine Kachel locker, der Ofen lieber nicht mehr benutzt.

Herbst 2008. Die Tochter sitzt mit ihrer Freundin im Kaffeehaus, das Handy grunzt die Mutter-Melodie. Sie hebt nicht ab, ruft später zurück.

Tochter: Hallo, Du hast mich angerufen.

Mutter: Ja, der Ofensetzer war da. Ich wollte, dass Du mit ihm redest wegen Deinem Ofen. Er sagt, Du kannst ihn bedenkenlos verwenden.

Tochter: Also bitte, er hat meinen Ofen nichtmal gesehen. Ich bespreche das lieber mit meinem Rauchfangkehrer.

Mutter: Das ist wieder typisch! Was nichts kostet ist nichts wert. Wenn Du den Ofensetzer zahlen müsstest, dann würdest Du nicht so reden! So eine Frechheit, da biete ich Dir die Möglichkeit mit einem Ofensetzer zu reden, den könntest Du nichtmal bezahlen. Ein Rauchfangkehrer hat ja überhaupt keine Ahnung…!!!

Tochter: Aha, super. Dein Ofensetzer trägt aber nicht die Verantwortung, wenn ich hier im Wohnzimmer mit meinem Kachelofen explodiere. Die trage nämlich ich. Und ich will einen Fachmann vor Ort haben, der sich meinen Ofen auch angeschaut hat und sich ein Bild gemacht hat.

Mutter: Du explodierst nicht mit dem Ofen. Du kannst ihn verwenden.

Ein halbes Jahr vergeht, der Kachelofen war am Rande Thema. Er ist unbenützt, die Tochter will das gar nicht sagen, weil sie das Thema schon gar nicht mehr hören kann. Die Eltern kommen auf Besuch. Die Mutter kniet unter den staunenden Augen des Schwiegersohns vor dem Kachelofen und greift hinein. Schon hat sie ein Stück Schamott in der Hand. Ein paar Tage danach läutet das Telefon:

Mutter: Ihr dürft den Kachelofen keinesfalls mehr verwenden. Ich habe gerade im Fernsehen gesehen, wie gefährlich das ist. Ihr könntet sterben!

Tochter (endlos genervt): Bitte lass mich jetzt mit dem Scheißkachelofen in Ruh. Wir benutzen ihn nicht, weil wir uns das schon lange denken.

Mutter: Aber der Rupert hat gesagt, dass der Rauchfangkehrer gesagt hat, Ihr dürft ihn einheizen.
Tochter (genervt, weil ihr Mann immer die Mutter ärgert): Ja, wir tun es aber nicht. Und ich will jetzt nicht mehr über diesen Kachelofen reden. Zuerst quälst Du mich jahrelang weil Du findest ich kapiere nicht, dass man so billiger heizt. Und dann rufst Du aufgelöst an, ich darf ihn nicht benutze. Ich weiß schon, was ich mache.

Mutter: Aber Du hast überhaupt keine Erfahrung! Ich heize schon mein ganzes Leben mit Holz.

Tochter: Ich bin 32 Jahre alt und habe einen Hausverstand. Und es nervt mich, wenn Du mir sagst, wie ich heizen soll oder meinen Balkon benutzen muss.

Mutter (heult): Ich habe mir ja überlegt, ob ich Dich deswegen anrufen soll. Da will ich Dich warnen und Du reagierst so. Du bist immer so unfreundlich zu mir.

Tochter: Aber nur weil wir diesen Scheißkachelofen mindestens 100 mal besprochen haben. Lass mich tun wie ich will. Sag mir nicht dauernd, was ich tun muss. Und ich vermute selber, dass er gefährlich ist, aber als ich Dir das gesagt habe, wie das mit dem Ofensetzer war, hat es Dir auch nicht gepasst.

Mutter, mit tränenerstickter Stimme: Ich kann nicht mehr reden, ich muss jetzt aufhören. Sie legt auf.

Die Tochter fühlt sich endlos schlecht, beruhigt sich wieder, bespricht das mit einer Freundin und genießt – hartherzigerweise – zwei Wochen Funkstille, bevor sie auch nur erwägt anzurufen.

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Ausflug

Der erste Ausflug dauerte eine halbe Stunde und beinhaltete Einkaufen. Gestern. Der zweite Ausflug führte uns ins Tribeka – Livia hat Stil und bevorzugt einen vernünftigen Kaffee 😉 Heute mittag. Bei diesem Schneegestöber 😉 kann man kaum wirklich spazieren gehen.

Zum Leidwesen meines Liebsten wurde sie dort mit Bruce Springsteen konfrontiert. Ein Übel, das er gerne länger von ihr ferngehalten hätte. Ich auch. Aber ich finde momentan noch alles, was mit Außenwelt zu tun hat, zu heftig. Straßenverkehr, Abgase, die laute Straßenbahn… Vielleicht wenn sie fünf Jahre alt ist, aber jetzt? 😉

Also wir waren einen Kaffee trinken, Livia hat ihn verschlafen. Im Tribeka, andere Leute mit Baby, solche wie wir, die auch gern die Zeitung dort lesen (wobei“Die Zeit“ von Anfang November ist jetzt schon ein bissi veraltet, finde ich), ihr Kleines auch im Tragetuch. Die waren schon professioneller, das Baby war bestimmt schon etwas größer. 😉 Aber warten wir zwei Wochen und wir schauen auch aus, als würden wir das schon immer tun 😉

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