Schulerfolg

Ich bin in der Schule von Jahr zu Jahr besser geworden, was zwei Ursachen hatte. Die erste lag in der dritten Klasse Gymnasium, das Jahr, in dem ich vier Mahnungen hatte. Musik, Geschichte, Mathematik und Englisch. Alles im Grunde überhaupt kein Problem, wie man das mit 13 eben sieht. 😉 Außer Mathematik. Mathematik großes Problem. Wie ich da vor der Prüfung an der Tafel stand und meine flache Hand aus irgendeinem Grund die Tafel berührte und ich bemerkte, wie schweißnass diese dadurch wurde, stellte ich fest, dass mein Nervenkostüm für Prüfungen zwischen vier und fünf zu schwach war. Ich entschied, alle Schularbeiten meines Lebens positiv zu schreiben, um nicht einmal mehr ansatzweise Gefahr zu laufen, in so eine Prüfungssituation zu kommen. Das ist mir ziemlich gelungen.

Den zweiten Einschnitt, der sich jährlich wiederholte, begann nach der ersten Klasse Hotelfachschule: mindestens 2 Monate Sommerpraktikum in der Küche, im Service – jedes Jahr ein anderer Bereich, insgesamt vier Mal. Das Arbeiten war wirklich anstrengend, sodass ich beschloss zu studieren, um wenigstens nicht bis zum Ende meiner Tage herumkommandiert werden zu können. Jahr für Jahr wurde der Vorsatz größer und die Zeugnisse besser.

Da ich diese Erfahrung gemacht habe, haben mich schlechte Noten meiner NachhilfeschülerInnen nicht aufgeregt, sondern ich habe gewusst, dass ihr Schweiß-an-der-Tafel-Moment kommt. Ab dem Moment, wo mir klar war, dass ihre Noten nicht mein Verdienst (oder Versagen) sind, lehnte ich mich zurück, beruhigte die Eltern und unterrichtete wieder, wenn sie zur Vernunft gekommen waren. Wir hatten viel Spaß und Erfolg.

Wie heute Frau M. bei mir sitzt, am Abend bei einem Aperol mit dem Zusatz „poco alcolico“, was bedeutet, dass er gleich stark ist wie Sekt, und mir erzählt, dass sie ein halbes Jahr die Schule unterbrochen hat, um mit dem Dorfproleten auszugehen und von Mutterschaft, Hausfrauendasein und Kuchen  zu träumen, habe ich nicht schlecht gestaunt. Sie war über ein, zwei Noten ihres Kindes zutiefst besorgt im vorigen Jahr, was ich überhaupt nicht aufregend fand, eben wegen bevorstehenden Schweiß-an-der-Tafel-Moment. Während ich, täte Livia mit 17 über Vermehrung mit dem Stadtproleten und Schulabbruch nachdenken, in einem dauernden Nervenzusammenbruch leben würde.  Aber: Bei sich selber ist das natürlich was ganz anderes. 😉

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Eine Antwort to “Schulerfolg”

  1. Marion Says:

    Nee, diesen Tafel-Moment hatte ich nie. Auch nicht in Mathe. Vielleicht hätte es was genützt. 😉


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