Grausame Langeweile

Es war so langweilig, so langweilig, sowas von langweilig, so extrem langweilig, ich kann nicht mehr. Wenn ein Seminar ganz wahnsinnig langweilig ist oder eine Situation, dann kriege ich manchmal so ein ungutes Gefühl im Körper. Es fühlt sich an, als wäre jegliche Energie in einem Kern in der Mitte meines Körpers verschmolzen. Arme, Beine, alles leblos. Ich werde unruhig, will laufen, gehen, mich spüren, wilden Sex haben, irgendwas tun, was diesen grauenvollen Zustand beendet. Stattdessen kriege ich auch noch Kopfweh. Ich fange an, sms zu schreiben, in denen es um meine Tapferkeit geht, andere Menschen, sogar wildfremde, bemitleiden mich. Erstens weil sie es selber fad finden und zweitens, weil es mir auf die Stirn geschrieben steht. Ich befürchte, dem Vortragenden ist es auch aufgefallen. Vielleicht hatte die Antipathie, die ich wahrgenommen habe, damit zu tun. Oder mit meinem (ich behaupte:praxisnahen) Einwurf zu einem juristischen Thema. Und drei, vier anderen. Denn als ich auf den Geschmack gekommen bin, hab ich nicht mehr aufgehört. 😉

Beim Aufsperren des Autos war ich froh, dass die Schnalle noch nicht ganz gebrochen ist. Noch steige ich nicht über den Beifahrersitz ein. Noch ziehe ich kräftig und ruckartig und die Tür öffnet sich. Vermutlich werde ich am Montag nach der Arbeit, vor dem Gericht, in mein sonnencremeverschmiertes Auto zu steigen versuchen und die Tür wird nicht mehr aufgehen. Ich werde drin herumkrabbeln, um hinters Lenkrad zu gelangen und es wird mir peinlich sein. Aber danach fahre ich eh schon in die Werkstatt und alles ist gut. Hoffentlich.

In dem  unrunden Zustand bin ich nach Hause gekommen, um das Kindchen niederzulegen. Nachdem wir die wilden Kerle (vier Mal) und Bobo (drei Geschichten) gelesen haben, konnten wir zum Singen übergehen. Ein paar Mal Frosch, ein paar Mal Herbst, ein paar Mal Octopus Garden und sie war bereit… nach dem Papa zu rufen. „Mama, Papa holen. Papa kuscheln. Papa ins Bett legen. Papa streicheln. Papa O(cto)pus singen.“ – Ich komme da zwar nirgends vor, aber ich bin trotzdem da geblieben. Sie hat mich immerhin nicht mit „Mama Wohnzimmer gehen“ hinausgeworfen. 😉  Wir haben uns alle entspannt. Jede Sekunde dieses Einschlafens ist sinn- und freudvoller als dieses erbarmunglose Seminar des Rechts. Es war so grausam, dass ich mich sogar im Feedback geäußert habe. Und morgen schreibe ich ein Mail, in dem ich mich weigere, auch nur ein einziges weiteres Seminar übers Recht zu machen.

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