Der Föhn bläst das Flugzeug herum und ich sitz drin

Dem Leben gegenüber kann man schon unverschämt sein, denn das ist es ja uns gegenüber auch. Also habe ich mich gestern in Innsbruck in den Föhn gesetzt, der für mich den Sturm des Lebens symbolisiert hat, und habe mein Gesicht in die Sonne gehalten und das sehr gemütlich gefunden, dass der Sturm mir überhaupt nichts anhaben kann. 😛 Nebenbei habe ich gehofft, dass nicht gleich irgendein Ast vom Baum fällt und mich erschlägt – egal ob Real-Ast oder übertragener.. 😉 Das war sehr schön. Ich habe gestern nicht über heute nachgedacht, und darüber, dass wir in diesem Föhn starten werden mit dem Flugzeug. Innsbruck ist eh schon markant zum Starten und Landen, weil man den Leuten in der Innenstadt dabei in die Kaffeetassen schauen kann und weil die Häuser, unmittelbar vor der Landebahn, auf ihren Dächern rote Lampen haben, damit die Flugzeuge nicht die Kamine abrasieren. Ich möchte da nicht über Föhn auch noch nachdenken.

Der Start war dann so, wie ich mir gedacht habe, dass er sein würde, als der Mann neben mir,  begonnen hat, sich überall festzuhalten, kaum dass das Flugzeug losgerollt ist. Er war ein bisschen grün im Gesicht. Vermutlich weil er schon aus Hannover gekommen und gerade gelandet war.. 😉  Da habe ich lachen müssen, weil normalerweise der Tiroler neben mir sitzt und meine Hand hält, während ich herumjammere. Die Erwachsenenrolle übernimmt er jetzt aber gegenüber Livia. Er durfte sie auf dem Schoß haben, denn ich hatte sie beim Hinfliegen.

Ich habe, weil mir außer Erwachsensein nichts übrig geblieben ist (die Hand des Fremden neben mir war nicht so attraktiv und ich befürchte, der Typ wäre kein Trost gewesen 😉 ) drüber nachgedacht, während wir, wie ein Drache in Windböen in die Höhe geflogen und wieder abgesackt sind, nach rechts hin- und nach links zurückgeschaukelt sind, ob ich jetzt sterben dürfte. Ich hätte dürfen. Ich habe nicht wollen, denn ich will in zwei Wochen noch bei zwei wichtigen Verhandlungen dabei sein und ich will zu Livias Maturaball gehen! Der wird bald sein, wenn sie so weiter tut. Am Sonntag hat sie mir um halb sieben in der Früh ein Dinosaurierbuch angedreht, das wir lesen mussten. Jetzt sagt sie „Archaeopteryx“ (!) und ich weiß jetzt immerhin, was das ist. Dinosauriermäßig war ich ziemlich schwach drauf – bis gestern in aller Fraugottsfrüh. 😉

Also ich habe natürlich nicht sterben wollen, aber das Dürfen, weil ich intensiv lebe und nicht das Gefühl habe, was versäumt zu haben, war schon ein gutes Gefühl.

Ich hab das mögen, es war ein bisschen wie die Geburt. Frau denkt, jetzt ist alles aus und dabei geht das noch munter weiter und sie wird wider Erwarten weder bewusstlos, noch tot davon. Es ist eine Gefahr ohne Gefahr, ein Nervenkitzel ohne Bedrohung. Der Mann neben mir hat das deutlich anders gesehen, deswegen habe ich ihn auch gelobt beim Aussteigen dafür (und mich auch), dass wir jetzt wahnsinnig tapfer gewesen sind. 😀 Dann haben wir laut gelacht. Weil hinterher kann man dem Leben wieder unverschämt ins Gesicht lachen, wo wir eine Dreiviertelstunde früher die Hosen noch gestrichen voll hatten. 😀

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