Hochschaubahn

Ende Juli, als es für mich um die Geduld ging, habe ich die Frage aufgeworfen, wer denn früher kommen würde: Mein neuer Meditationshocker, das Einzige, was mir damals zum Shoppen eingefallen ist. Oder Rosalie.

Mit der Hausgeburt ist es nichts geworden, weil ich keine Wehen hatte und ohne Wehen gibt es keine Hausgeburt. Ohne Wehen mit missfärbigem Fruchtwasser gibt es Klinik  und Wehentropf, Gott sei Dank mit meiner eigenen Hebamme. Wie Frauen ohne ihre persönliche Hebamme ein Kind bekommen können, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. Ohne diese Frau wäre gar nichts gegangen. Mir war gar nicht bewusst, dass Hebammen große emotionale Krisenkompetenz brauchen. Jedenfalls wenn ich gebäre. 😉 Als wir dann am nächsten Tag in unser trautes Heim zurückkehrten, hing da die Information von der Post:

Der Meditationshocker erreichte uns uns am gleichen Tag wie Rosalie, um 14.30. Rosalie wechselte kurz nach 16.00 die Seite, von automatischer Versorgung via Nabelschnur zu ah-jetzt-muss-ich-den-Mund-aufreißen-und-starre-ab-nun-lüstern-Mamas-Busen an. Also zurück zur Information von der Post. Der Meditationshocker hat  gewonnen, um 1,5 Stunden.

Das mit Rosalie war dann eh so eine Sache. Ich stellte fest, dass die Geburt so für mich nicht schaffbar sein würde, wenn diese Art Schmerzen in Kombination mit einem psychischen Ausnahmezustand schon zur Halbzeit auftreten. Der Anästhesist tat sein bestes, mir eine PDA zu legen. Während er damit befasst war, bekam ich Recht. Ich war nicht nur psychisch in der Endphase, sondern in einer knappen halben Stunde plötzlich auch ganz körperlich und dann war Rosalie da und der Tiroler kam gerade noch rechtzeitig herein, weil er ist einen Kaffee trinken gegangen, wie der Anästhesist es ihm gesagt hatte, während ich die tolle Spritze in den Rücken bekommen habe. Der Tiroler war insgesamt ein bisschen fertig, was ich gut verstehen kann, denn in der Hochphase, als meine PDA-Entscheidung fiel, ging es so hoch her, dass er mir auch gleich leid tat, weil er so ein bisschen besorgt ausschaute. Und dann wurde auch noch mein Blutdruck gemessen.

Merke-Eins: Kurz vor den Presswehen ist Dir auch mit einer Blutdruckmessphobie völlig wurscht wenn Dir einer den Blutdruck misst. Merke-Zwei: Wennn es Dir wurscht ist, dann hast Du – kurz vor den Presswehen – 140:85. Das ist ein Traum, den hab ich niemals in einer Ärztinnenpraxis zusammengebracht! Für 140:85 muss man extralieb zu mir sein, ganz empathisch und über ganz andere Sachen reden, mir unaufällig dieses Ding anlegen und dann könnte es gehen. Wahrscheinlich habe ich in Wirklichkeit einen niedrigen Blutdruck und wir haben alle nur gemeint, dass er hoch sein könnte, weil ich so hysterisch bin, wenn man mir den Blutdruck messen will. Vielleicht. Merke-Drei: Sowas kann Dich sogar kurz vor den Presswehen noch innerlich zum Lachen bringen. Merke-Vier: Solange noch ein bisschen Meta-Ebene geht und irgendwas in Dir noch lachen muss, ist noch nicht alles verloren.

Naja, die Nadel saß dann und man diskutierte, ob nun Medikament oder nicht. Ich fand, ich will alles, mir scheißegal ob das Kind gleich komt, meine Hebamme fand, ich brauche nichts mehr, das macht es nur schwerer und ich muss mich jetzt zusammenreißen, denn wir haben es gleich, eine Presswehe kam, der Tiroler sprang gerade noch zur Tür herein, weil er vom Kaffee früher zurück kam, das Kind kam zur Welt, alle waren glücklich und Ende der Diskussion. Vergessen, dass ich keine Scheiß-Rechtsaufklärung haben wollte (sondern die Drogen und zwar flotti!), weil das eh nur Juristenschwachsinn ist. Wenn man bedenkt, wie Konsumentenschutz betrieben wird, mit Rücktrittsrecht vom Vertrag unter gewissen Umständen, dann erstaunt es, dann eine Unterschrift, in einer derartigen Ausnahmesituation gegeben, Rechtsgültigkeit haben soll. Aber bitte, mir war das wurscht. Ich hab ein mögliches Leben im Rollstuhl attraktiver gefunden als auch nur noch eine Minute länger diese Hammerwehen ertragen zu müssen.

Löwe mit Aszendent Schütze ist sie, die Rosalie. Ich bin ja zutiefst neugierig, was in unserer Wassermann-Zwilling-Aszendent-immer-Wasserzeichen-Familie eine Löwin-Schütze mitbringen wird. Aber ich mag Schützen, in manchen Phasen waren fast alle meiner Freundinnen welche. Die sind nämlich immer für Überraschungen gut und unterhaltsam. Und von Löwen verstehe ich nichts. Wenn man eines meiner Lieblingshasssubjekte wegdenkt. Aber so wird mein Kind niemals werden und deswegen muss ich neugierig warten wie sie sich entwickelt. Außerdem glaube ich eigentlich nicht an Sternzeichen. 😉

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