Gute Nacht!

Wenn man beim Tierarzt im Wartezimmer döst und auch bei der Zahnärztin schon fast einschläft, wenn man abends das Handy ausschalten will und dabei einschläft und nach dem nächstlichen Stillen innerhalb von zwei Sekunden in einen bewegungslosen Tiefschlaf fällt, dann wird es Zeit einmal um halb acht schlafen zu gehen. Wenn man, mit Stillkind, 12 Stunden Zeit im Bett veranschlagt,  werden es ungefähr 9 bis 11 Stunden Schlaf sein, auf die man kommt. Man muss ja Stillen, mögliche volle Windeln, eventuelles Kind umziehen und, im Notfall sogar Bett überziehen, einkalkulieren. Nach so vielen Stunden Schlaf wird man als ausgeschlafener Mensch unterwegs sein. Ein Zustand, den ich mit Livia schätzen gelernt habe. Genau genommen ist er mir auch mit Livia abhanden gekommen. Vorher war Ausgeschlafensein keine Kategorie. Ich war natürlich ausgeschlafen und wenn ich es einmal nicht war, dann habe ich mich irgendwann hingelegt. Das kam selten vor. Jetzt muss ich meinen Schlaf organisieren, denn mit einer Fünfjährigen lässt sich kein Mittagsschlaf mehr machen. Und mit dem Baby am Vormittag versuche ich neben dem unglaublich kuscheligen Stillen noch den Haushalt auf die Reihe zu kriegen. Und auch noch ein bisschen Zeit für mich zu haben. Denn irgendwann will ich meine Nägel feilen oder meine Haare waschen.

Ob mir die Decke auf den Kopf fällt, wurde ich gefragt. Also nein. Das Problem habe ich wirklich nicht. Ich wüsste nicht, um welche Zeit ich mich leer fühlen sollte oder mir langweilig sein sollte. Vielleicht war das bei Livia anders. Bei Livia war alles Chaos und es gab noch nicht die Notwendigkeit den Haushalt wirklich zu führen, weil das Chaos in zwei Stunden wieder Geschichte war, wenn ich mich ein klein wenig mit der Wohnung beschäftigte. Aber bei zweien, wovon eines stundenlange Zuwendung braucht und das andere im Nu die Wohnung verwüstet, bei diesen zweien, die viel Wäsche produzieren, ist eine gewisse Struktur notwendig geworden, um nicht zu versinken in Wäsche und um nicht in der Nacht auf Legosteine zu steigen (aua!) oder über Puppenküchengeschirr zu stolpern und um nicht im Badezimmer auszurutschen, weil jemand begeistert geplantscht hat.

Man kann natürlich auch Leere empfinden, obwohl man viel zu tun hat. Aber das Kleinchen, das stundenlang trinken kann, dann kurz überläuft, rülpst, die Augen überdreht und im Milchhimmel vom Gestilltwerden träumt, rührt mich zutiefst. Beim Aufwachen streckt sie sich unglaublich herzig, sodass aus ihren 54 cm starke 56 cm werden und jeden Muskel im Gesicht kann sie bewegen wodurch sie wunderbare Grimassen schneidet. Dass ich das vergessen konnte, wie schön das ist! Wenn ich sie so erlebe, erinnere ich mich daran wie schön es auch mit Livia war.

Und dann gibt es noch die anderen Leute. Mit einem Baby erlebt man viel Wohlwollen. Die alten Frauen sagen, sie hätten auch gerne ein Tragetuch gehabt, weil es so praktisch ist und ein Sitzplatz wird mir meist angeboten. Männer im Anzug lächeln Rosalie an und sogar Jugendliche. Kindergartenkinder sind sowieso verzückt und würden sie am liebsten gleich streicheln. Da ist es gut, dass ich sie bei mir am Körper trage. Es scheint, als würde so ein Baby die Menschen für einen kurzen Moment aus ihrem Trott reißen. Und ich hab das den ganzen Tag. Nein, mir fällt die Decke nicht auf den Kopf, im Gegenteil. Mir hat sich der Himmel geöffnet.

 

 

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