3 Eier um halb 6

Maggie schreibt: „Ja, Deine Tochter kann wirklich verhandeln. Wer immer mit ihr beruflich zu tun hat, wird um Gnade winseln.“

Und das kam so: Der Tiroler machte Rösti mit gemischtem Salat. Livia ging zu ihm und wünschte sich noch Karottensalat und außerdem Eier. Zur Karottensalatherstellung war der Tiroler bereit, er weigerte sich jedoch Eier zu kochen, da er dann gleich keine Rösti machen hätte müssen. Rösti hatten wir ausgemacht, Rösti hatte sich das Kind gewünscht. Die Nichterfüllung ihres Eier-Mittagessens führte zu einer ausgewachsenen Schreikrise der Fünfkommafünfjährigen, die erste eine Stunde später wieder endete. Ich stillte in der Zwischenzeit das Babylein und vermied es das Schlafzimmer zu verlassen. Ich hörte ohnehin aus der Küche das Geschrei, das Thema der Auseinandersetzung und das Gefecht um Eier oder nicht Eier. Nach einer Stunde, der Tiroler hatte mitgeteilt, dass es Essen gibt, konnte ich es nicht mehr verhindern und setzte mich zu Tisch. Livia schrie und weinte noch immer. Der Tiroler wurde daraufhin sauer und laut. Wenn man ihn kennt, kann man es sich kaum vorstellen. Der Tiroler wird nämlich äußerst schwer sauer und sehr selten laut. Ich beschloss Dinge, die er in solchen Situationen manchmal tut, nicht zu tun. Also sagte ich zB nicht heimlich „ach, ein Ei, ich mach Dir eines, aber nur eines, ja?“. Und ich wurde auch nicht sauer wie sonst, sondern machte auf guter Cop, liebe Mami, verständnisvoll. Ich beruhigte Livia, während der Tiroler vor Zorn die Küche verließ um Rosalie zu beruhigen, die schon wieder weinte. Rosalie hat eine Phase. Die Phase heißt: „Selbst wenn Du mich im Tiefschlaf ablegst, werde ich sofort weinen.“ Sie braucht Nähe. Deswegen trage ich Rosalie seit ein paar Tagen permanent herum. Der Tiroler war also bei Rosalie, Livia und ich schwiegen und aßen. Livia entschuldigte sich und meinte, sie hätte dann gern zur Jause ein Ei. Ich sagte, sie könne eines zum Abendessen haben um halb sieben – ich wollte dem Tiroler weiterhin nicht in den Rücken fallen. Sie sagte, bis halb sieben würde sie es nicht aushalten, immerhin habe sie schon seit sieben Wochen kein Ei gegessen, sie wolle ein Ei um vier. Ich sagte, es gibt ein Ei um sechs, sie sagte, sie will ein Ei um fünf. Ich sagte, gut, es gibt ein Ei um halb sechs. Sie sagte: „Gut.“ Dann sagte sie, wenn es halb sechs ist, müssen es zwei Eier sein. Ich willigte ein. Sie roch Lunte und sagte, sie hätte lieber drei. Ich sagte „jetzt ist Schluss, zu viele Eier sind nicht gesund.“

Das Kind wird dereints Lohnverhandlungen führen und die anderen werden vor ihr in die Knie gehen und froh sein, wenn sie ihr alles geben können was sie möchte. 😉

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