Allerheiligen ist Weihnachten für Suizidale

So ist es mir heute vorgekommen als ich am Abend über den St. Peter Stadtfriedhof gegangen bin. Suizidal bin ich nicht, eher antisuizidal. Ich lebe vergnügt wie man hier nachlesen kann. Und ich werde völlig hysterisch, wenn man mir meinen möglichen Tod voraussagt. Oder ich höre schon den möglichen Tod vorausgesagt, wenn  jemand eine mögliche Komplikation in den Raum stellt.  Gut. Also da habe ich gelesen, dass es kunsthistorische Friedhofsführungen gibt für den Zentralfriedhof und den St.Peter Friedhof und mir gedacht, das schaue ich mir an. Weil der St. Peter Friedhof nicht so ganz ein Friedhof ist. Manche lernen dort, also für ihr Studium. Marianne hat dort in einem heißen Sommer ihr Baby spazierengefahren, weil der evangelische Teil so schattig und schön ist. Und man kann auch über den Friedhof gehen, wenn man von der Plüddemanngasse in die Petersgasse möchte. Vom Hofer schnell rüber in die Gärtnerei oder so.

Ich habe gelernt, dass Kaiser Josef II. nur mehr Schachtgräber haben wollte – unpersönliche Sache. Das wollten dann die reichen Leute nicht und man hat eine österreichische Lösung gefunden. Entlang der Friedhofsmauern durften persönliche Gräber sein und am Feld zunächst nicht. Das hat sich dann weiterentwickelt und heute haben wir die Gräber wie wir sie haben. Naja, und wenn man die Friedhofsmauern entlang geht, sieht man klassizistische Gräber und Jugendstil-Gräber und spannend: Von Männern werden immer nur Büsten gemacht, von Frauen ganze Statuen. Außer ein Grab am ganzen Friedhof, das fällt aus der Reihe, da gibt es ein Relief von einer Frau. Spannend finde ich, dass manche Menschen so eitel – oder was ist das? – sind, dass sie sich selbst im Tod noch auf den Grabstein schreiben müssen wie toll sie waren. Das bedeutet, dass sie in früheren Zeiten zB Bürger waren oder Hausbesitzer oder Hausbesitzerswitwen. Und dann gibt es noch Kapellen und irgendeinen Kriegsheld mit einem verwitterten stebenden Löwen oben auf seinem Grab. Und dann Leute, nach denen einige Straßen und Palais benannt sind. Das werde ich dann bei Livia alles in der Schule mitlernen, was man über Graz so wissen muss. Und zuletzt sind wir noch auf Dorfniveau gekommen. Mir ist es powidl wer mit wem verwandt ist und wer der Vater von Professor XY ist. Stadtwissen hab ich jedoch erworben, weil ich gelernt habe, dass der Besitzer der Tanzschule Kern-Theissl umgebracht wurde und der Fall jetzt aufgerollt wird. Und der Vater vom englischen Patienten ruht auch hier.

Nach diesem abendlichen Ausflug bin ich ganz irdisch in den Supermarkt gegangen, weil ich draufgekommen bin, dass morgen Feiertag ist und es doch fein wäre, was zu essen im Haus zu haben. 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: