Der Gott des Trubels

Wir brauchen Reisepässe. Deswegen haben wir den Weg zum Fotografen angetreten, der wenig begeistert war. Für sowas muss man einen Termin ausmachen, denn auch Babys brauchen diese biometrischen Passfotos, und das dauert, bis man es hinkriegt. Das heißt, man macht von einem Baby ein Foto vor dem weißen Hintergrund. Die Hand der Mutter, die das Baby hält, darf nicht zu sehen sein. Das Baby muss den Kopf gerade halten und zum Fotografen schauen. Gnädigerweise hat er es ohne Termin mit uns probiert.

Jeder Mensch, der einmal ein Baby erlebt hat, weiß, dass das nicht ganz leicht zu machen sein wird. Deswegen normalerweise ja auch Termin. Was sich Leute denken, die solche Gesetze erlassen weiß ich nicht. Wahrscheinlich fühlen sie sich heldenhaft, weil sie die Welt vor Babyterroristen schützen. 😉

Es hat dann funktioniert. Der Fotograf hat drauf losgeknipst und Rosalie war zum Glück gnädig. Ich war schweißgebadet und sehe auf meinem Passfotos auch aus wie eine Mutter von zwei Kindern, die dringend Urlaub braucht. Authentisch also.

Der Tiroler hatte mir für jenen Tag gutes Wetter vorausgesagt. Er zeigte mir die Seite der zamg, die für Graz keine Wetterwarnung herausgegeben hatte. Es würde nicht regnen und nicht hageln und ich solle kein Theater machen. Ich hatte nämlich auf orf.at gelesen, dass extrem schlechtes Wetter angesagt war und sorgte mich wie ich mit Baby und Kind in Sturm und Hagel und vor allem Gewitter, diese blöden Wege tun sollte.

Und schließlich warteten wir schon im Servicecenter. Den Portier, der die Dokumente überprüft, hatten wir schon hinter uns, es wurde finsterer und finsterer. Livia wurde ungeduldig, Rosalie raunzig, wir kamen dran. Reisepässe für drei Leute zu beantragen dauert eine halbe Stunde. Glücklicherweise war uns die Beamtin gnädig und hat Rosalie übernommen wenn ich unterschreiben musste. Für Livia und Rosalie musste ich in Blockbuchstaben „unterschreiben“. 😉 Draußen wurde es weiterhin dunkler und es begann zu donnern. Ich sortierte mit einer mittlerweile weinenden, da hungrigen, Rosalie schnell die Dokumente ein. Livia jammerte, denn sie musste aufs Klo. Im Warteraum wurde klar, dass die zamg Unrecht hatte, denn es hagelte und gewitterte vom Feinsten. Livia gings aufs Klo, weinend, denn sie wollte sofort ein Eis und sorgte sich was passiert, wenn es bis in die Abendstunden regnet und hagelt. Ich stillte Rosalie. Eine Mutter mit drei Kindern wies indessen neben uns ihren Ältesten verzweifelt an, die Kaugummis unter den Stehtischen nur zu zählen und bitte nicht anzugreifen. Zwischen uns standen Leute, die einen Umbau im Wartebereich planten und besprachen diesen miteinander. Rosalie konnte sich halbwegs konzentrieren trotz der geschäftigen Geräuschkulisse und weinte nur wenig die Brust an.

Der Gott der Mütter ist eindeutig der Gott des Trubels.

 

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Das 60-Dezibel-Kind

Genoveva hat einen Liebhaber. Oder einen Partner. Ich weiß es nicht. Genoveva arbeitet nämlich mehr und ich hab seit Rosalie weniger Zeit, wir sehen uns also weniger und deswegen krieg ich nicht viel mit. Also weiß ich nur, dass es zeitweilen ein bisschen Probleme gegeben hat, sie waren getrennt und sind es jetzt gerade nicht mehr. Gesehen hab ich ihn heute. Genoveva hätte uns einander vermutlich vorstellen wollen, aber er hat die Initiative ergriffen. Zuerst hat er Livia gefragt, ob sie das 60-Dezibel-Kind ist. Dann hat er Rosalie angeschaut und dann hat er gefragt, ob ich eigentlich den Burschen kenne, der so laut Musik spielt. Lustiger Knabe, natürlich kenne ich in unserem 8-Parteien-Haus den Burschen, der so laut Musik spielt und alle paar Jahre besoffen auf der Stiege herumliegt. Der Liebhaber oder Partner hat mir dann gesagt, dass er mit dem Burschen eh schon geredet hat. Er ist zwar selber ein Lieber, aber er kann schon sehr streng sein, auch wenn man ihm das nicht ansieht.
Genoveva hat gesagt, sie werden jetzt dann gehen.

60 Dezibel sind  übrigens so viel wie eine Nähmaschine.

Ich würde meinen Livia pendelt sich eher bei 110 Dezibel ein, wenn sie eine Krise hat. Symphoniekonzert. 😉

War nett ihn kennenzulernen. Wie er heißt, hab ich aber nicht herausgefunden. 😉

Veröffentlicht in Alltagswahnsinn. 1 Comment »

Unser Leben

Ich hab so lange nicht geschrieben. Die Flohplage hatte uns im Griff. Nach einem erneuten Biss, nachdem schon Ruhe eingekehrt war, beschloss ich, den Kammerjäger zu holen. So verbrachten der Tiroler, Rosalie, die Katze und ich am 22. Dezember ein paar Stunden im Auto, im Weihnachtsverkehr, während unserer Wohnung vergiftet wurde. Livia war im Kindergarten. Wir leisteten uns eine Nacht im Hotel und kehrten am nächsten Tag in unsere Wohnung zurück. Zur Flohplage habe ich nichts Lustiges zu sagen. Es ist schlimm, wenn man sich daheim nicht daheim fühlt. Wenn man den ganzen Tag mit Baby daheim ist, dann sind diese Bisse, was schlimmes. Diese Vieher kommen bis ins Bett und man wird hysterisch und fürchtet sich vor kleinen, schwarzen, fast unsichtbaren, springenden Punkten und alles ist mühsam.

Und dann war Weihnachten.

Und dann war Jänner.

Alles wieder aufräumen, alles waschen, bisschen Langeweile genießen.

Und dann wurden wir alle krank. Und wie das mit Rosalie ist, kann man im letzten Beitrag lesen. Und für mich ist es Wahnsinn. Krank sein, fast 39 Grad Fieber haben, Stillen, nichts essen können, immer schwächer werden, husten müssen, wegen Schnupfen nicht schlafen können, das Kind inhalieren lassen müssen, dem Kind Topfenwickel machen. Dann eine Brustentzündung bekommen, weil einem alles zu viel ist und man das ja nicht schaffen kann. Trotz Teilung der Arbeit mit dem Tiroler ist es sehr viel. Und Livia verbrachte ihren 6. Geburtstag dann allein vorm Fernseher und mit einem neuen Puzzle. Das war nämlich der Tag, an dem der Tiroler und ich am kränksten waren.

Vermutlich wird alles gut. Damit Platz für den nächsten Irrsinn ist.

 

Babys erste Krankheit

Rosalie ist krank. Genauso wie Livia, der Tiroler und ich. Seit einer knappen Woche. Grippaler Infekt, typisch mit zwei Fieberspitzen, soll heißen: Du glaubst Du bist gesund und dann kriegst Du doch noch einmal Fieber. Rosalie hustet, weil der Schleim in den Hals rinnt. Das will sie nicht. Also hustet sie und wenn sie gerade getrunken hat, spuckt sie die ganze Milch wieder hoch. Oder wenn sie weint, weil sie gerade unglücklich ist. Das führt dazu, dass man mehrmals täglich das Bett überzieht, wenn man Pech hat. Wir haben derzeit viel Pech.

Heute war sie im Wartezimmer der Kinderärztin unglücklich. Also zuerst nicht. Zuerst wollte sie trinken. Doch plötzlich wurde sie unglücklich. Sie schrie sich rein und rein und rein und verteilte spontan einen Viertel Liter soeben getrunkene Milch im Wartezimmer unserer Kinderärztin. Am Boden, auf den Spielsachen, in den Spielsachen. Und natürlich auf meinem Pullover. Ich putzte das und eine Mitmutter war so freundlich mir zu helfen und zu übernehmen,  denn wir waren schon dran. Rosalie war in diesem Moment unglücklich und beschloss das die nächste Dreiviertelstunde laut kund zu tun. Sie war es als sie abgehört wurde, liegend und bei mir am Arm. Sie war es, als die Kinderärztin was aufschrieb und ihr fernblieb. Sie war es als Blut abgenommen wurde am Kopf. Sie war es als wir nach einer Dreiviertelstunde gingen. Die Frage nach Entkräftung wegen dem häufigen Ausspeien von Milch stellte sich nicht mehr. Das Kind ist vital.

Flohcircus

Also bei uns sind die Flöhe eingezogen. Voll nett. Der Kater hat Flöhe – die können übrigens via Luftwirbel auf den Balkon gelangen – und da ich damit nicht gerechnet habe, hat er jetzt schon viele. Hatte er. Bei der Entdeckung. Denn jetzt verfügt er bereits über ein paar giftige Hautschichten und jeder Floh der hineinbeißt stirbt innerhalb von 24 Stunden. Ich hab die Wäsche gewaschen. Damit meine ich, ich habe den gesamten Inhalt der kindlichen Kleiderschränke gewaschen und einen großen Teil der unsrigen. Abgesehen davon, dass ich jeden Tag sauge und die Böden mit Insektizid einlasse. Wir erinnern uns, dass der Grund meines Zuhauseseins ist, dass eine knapp Viermonatige versorge. Und am Nachmittag eine knapp Sechsjährige dazu. Sie allein würden mich schon genug beschäftigen. Zum Waschen bin ich mehrmals in Graz einzigen Waschsalon gefahren mit mehreren Müllsäcken voll Kleidung. Hab alles gewaschen und getrocknet und bin mit frischen Müllsäcken nach Hause gefahren. Weil ich nämlich die Angewohnheit hatte, die Wäsche am Boden zusammenzulegen. Mit Rosalie neben mir. Tja. Nachdem ich des Katers Flöhe entdeckt hatte, hatte ich eine Ekelattacke, die ich mit hygienischen Maßnahmen beruhigen musste. Und hab mir eine ganze Woche lang für jeden Tag Babysitterin oder Putzfrau geholt. Einmal ist der Tiroler, der bis zum Hals in einem Projekt steckt, früher gekommen und einmal ist Ernestine gekommen, die sich mein Elend nicht mehr anhören hat können. Danke Ernestine, das vergesse ich Dir niemals. Mit Ernestine und beiden Kindern war ich dann auch im Waschsalon. Bettwäsche waschen und so. Ernestine und Livia haben mit einem Papierball Fußball gespielt. Dann ist der Tiroler gekommen, Ernestine ist Bauchtanzen gefahren und wir haben alles nach Hause geschleppt. Dort habe ich alles eingeräumt und erledigt und dann hab ich die Krise bekommen. Nicht nur, dass das alles zu tun war und ist. Es hat sich dann auch noch Livia einen grippalen Infekt aufgerissen.

Auf der positiven Seite bin ich in der Woche auch Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision geworden. Ich war beim Zulassungsgespräch und ich war nicht einmal aufgeregt, weil die Flöhe meine Welt so infiltriert hatten.

Morgen fahre ich ins Ortstafelland um mich zu erholen. Die Flöhe beißen nämlich alle mich. Das und die Tatsache, dass der Tiroler außer Haus arbeitet, macht, dass er entspannt ist, während das Mittel auf dem Kater wirkt und die Flöhe peu à peu abgemurkst werden. Peu à peu ist mir zu langsam, denn ich bin jeden Tag den ganzen Tag mit dem Thema konfrontiert, weil meine Arbeit eigentlich Rosalie ist. Und Livia.

Die Schnur

Ich erwähnte, es muss im August gewesen sein, dass Frau Vi ungerechtfertigterweise unter einer Schnur leidet, die bei uns am Balkon hängt und von der es nach Regenfällen hinunter auf ihren Balkon tropft. Die Schnur haben wir schon lange angebunden, sagte ich, nahm Frau Vi damit gemeinerweise nicht ernst und ging. Jetzt bin ich aber kürzlich am Balkon gewesen und habe Kluppen eingesammelt, die Livia immer für den Winter sammelt. Die Kluppen hängen nach dem Sammeln aus dem Kluppenkübel am Katzengitter. Das Katzengitter ist lange Zeit unnötig gewesen, da unsere einst übergewichtige Katze garantiert nicht zwei Meter in die Höhe klettert um einen Vogel zu jagen. Aber gut für Winterkluppen ist es. Also jedenfalls entdecke ich die Schnur, die Frau Vi gemeint hat. Es hängt und tropft nämlich die Schnur, die den Katzenrausfallschutz mit dem Balkon verbindet, nicht die andere, an der ich in meinen boshaften Phantasien am liebsten ein Vogelhaus aufhängen würde. Dann würde sie sich nämlich nach den Wassertropfen sehnen. 😉

Doch kein Fall für die Osteopathin

Magen-Darm, Hand-Mund-Fuß und jetzt haben wir eine Erkältung. Livia schleppt alles heran, wir fangen alles auf. Rosalie geht es hoffentlich gut. Muttermilch ist doch ein tolles Nahrungsmittel. Wahnsinnig wäre ich, wenn ich darauf verzichten würde. Ich bestrahle indessen mein Ohr mit Rotlicht.

Mutterschaft mit einem Baby ist ein Wahnsinn. Wahnsinnig schön. Wahnsinnig anstrengend. Es ist, als würde man, in einem Sumpf watend, Dinge erledigen müssen. Das ist ein bisschen anstrengend weil man nix weiterkommt. Man könnte jetzt einwerfen, dass man dann halt einfach nix tun soll an diesen Tagen. Ja, eh, das sag ich auch immer. Aber ein paar Dinge wäre schon fein. Zum Beispiel will ich dem Bauern, der uns einmal die Woche mit Gemüse beliefert, sein Geld überweisen.

Kurz: Ich habe Rosalie im Oktober 23 Tage lang den ganzen Tag herumgetragen. Ob ich das nicht hätte tun müssen, wenn ich schon 23 Tage vorher entdeckt hätte, dass sie in meinem Bett schlafen will anstatt in ihrer Wiege, weiß ich nicht. Will ich auch nicht wissen, denn immerhin hab ich ihr wahnsinnig viel Nähe gegeben und ihr Urvertrauen gepflegt. Am 23. dieses Monats habe ich es entdeckt. Seitdem macht sie drei Schläfchen im Tag. DREI. Das muss man sich auf der Mutterzunge zergehen lassen. Sie ist eine durchschnittliche 12Wöchige, die 3 Schläfchen macht. Ich habe quasi die Freiheit unsere Wohnung ein bisschen wohnlich zu machen.

Kurz hab ich mir überlegt, ob ich sie im Tragetuch, irgendwie verbogen habe, ihr eine Blockade zugefügt habe. Ich glaub, ich hab die böse Alte wieder getroffen, von der ich hier berichtet habe. Als ich nämlich vorm Tribeka in der Sonne gesessen bin. Die, die vor 50 Jahren Kinderkrankenschwester war und mir vor ein paar Wochen auf der Straße unbedingt mitteilen musste, dass das schädlich ist, das Kind im Tragetuch zu tragen. An die hab ich gedacht, als ich mitten in der Nacht, Rosalie weinend und verbogen, drüber nachgedachte habe, wo ich am Samstag eine Osteopathin finde.

Und dann hat sich am Samstag morgen herausgestellt, dass sie nur versucht hat sich zu drehen und sich geärgert hat. Alles gut. 😀

Und im Sumpf waten macht Muskeln.