Stilles Reifen

Schon ganz lang mag ich dieses Gedicht. Am Weg macht es Mut und in der Rückschau macht es stolz und kräftig.

Alles fügt sich und erfüllt sich,
mußt es nur erwarten können
und dem Werden deines Glückes
Jahr und Felder reichlich gönnen.
Bis du eines Tages jenen reifen Duft der Körner spürest
und dich aufmachst und die Ernte in die tiefen Speicher führest.

Christian Morgenstern

Bert Brecht – Leere

Geh ich zeitig in die Leere
Komm ich aus der Leere voll.
Wenn ich mit dem Nichts verkehre
Weiß ich wieder, was ich soll.

Wenn ich liebe, wenn ich fühle
Ist es eben auch Verschleiß
Aber dann, in der Kühle
Werd ich wieder heiß.

Bert Brecht

Ho costruito – von Rosa Raso

Ho costruito la mia casa
interiore, nel segreto
del cuore più fondo,
nascosta alla ragione,
con tutte le pietre
che mi ha lanciato la vita.

Masche für Masche…

… stricke ich mir

mein Leben zurecht

Dunkles wechselt

mit Hellem

dünner

brüchigerFaden

mit dicker

fester Wolle

seltsame, einzigartige

Muster entstehen

manchmal auch hübsche

so ist

mein Leben

Das Gedicht ist von Andrea Schwarz, aus ihrem Buch „Ich mag Gänseblümchen“. Heute ist es mir wieder untergekommen und ich hab mir gedacht: Wie wahr!

Aus dem Fastenkalender: Kopfstand des Glaubens

Heute könnten wir mal wieder was auf den Kopf stellen. Ich finde diesen Tag wie geschaffen dafür. Wir drehen den Spieß einmal um, machen eine Kehrtwendung und behaupten das Gegenteil. Nehmen wir zum Beispiel die schwere Frage: WER BIN ICH?
Diese unendliche Geschichte mit der Frage nach meinem Wert, nach meiner Bedeutung, nach meiner Rolle. Dieses tägliche „Spieglein, Spieglein an der Wand …“
Wer bin ich – für die anderen? Bin ich wer für meine Kolleginnen und Kollegen?
Bin ich wer für meine Kinder? Bin ich noch wer für meine Partnerin? Wer bin ich in den Augen meiner Vorgesetzen? Was halten die Nachbarn und Freunde von mir? Wer bin ich? Die Frage macht uns ein Leben lang zu schaffen. Jeden Morgen schauen wir in den Spiegel und fragen uns das. Mehr oder weniger bewusst.
Bin ich wer – heute, für Andere, für mich? Mit dieser Frage kann man sich jeden Tag ums Leben bringen, jede Freude nehmen, alle Achtung vor sich selbst, jedweden Respekt und das ganze Selbstwertgefühl, falls vorhanden.
Darum höchste Zeit, dass wir die Sache auf den Kopf stellen, umdrehen, klar stellen.
Um Gottes Willen dürfen wir das tun. Gott hat nämlich eine Antwort, was diese Frage betrifft. Die Sache ist geklärt, und deshalb kann die Unsicherheit abtreten, Gott will, dass wir aufhören mit der Fragerei.
„Ich kenn Dich doch“, sagt er, „und mag Dich trotzdem leiden. Fürchte Dich nicht! Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, sei erlöst von Deinem schweren Los, sei schwerelos. Du bist nämlich mein!“
Deshalb soll niemand daherkommen und sagen: Wer ist denn das? Und keiner von uns muss sich weiter quälen mit dem ewigen „WER BIN ICH?“
Rumgedreht und auf den Kopf gestellt wird ab heute ein neues Motto draus. Es heißt nicht mehr kleinlaut: Wer bin ich? Sondern um Gottes Willen: ICH BIN WER! Gott hat was aus mir gemacht, deshalb bin ich ein gemachter Mann, eine gemachte Frau.
ICH BIN WER! Umgedreht also wird ein Schuh draus, der passt und mit dem wir gehen und stehen können. Dietrich Bonhoeffer hat es einmal so gesagt:
„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, O Gott.“ (Ludwig Burgdörfer)

Quelle: http://www.fastenkalender.or.at/