Grant

Im Sinne von „Sei wer Du bist“ bemühe ich mich derzeit um genau gar nichts. Ich grantle vor mich hin, stelle achtsam und wertfrei fest, dass ich grantig bin, und wenn ich irgendwo Aufheiterung finde, dann bin ich wieder aufgeheitert und alles ist gut. Was schert mich mein Gejammer von vor fünf Minuten? 😉 Ich muss mich ja vorbereiten, in ferner Zukunft in die Fußstapfen von Frau Vi treten zu können. Frau Vi traf ich heute bei der Eingangstüre. Heute fragte sie mich, was das für eine Schnur wäre, die da bei uns hängt und – wir erraten es mit Leichtigkeit – auf ihren Balkon tropft bei Regen. Ich habe immerhin nicht gelacht! Ich hab ihr einfach gesagt, dass das eine Schnur ist, auf der wir was aufhängen wollen. In meiner Phantasie sind das Erdbeeren, die ich jeden Tag gießen muss. Oder, noch viel besser, ein Vorgelhaus. Edeltraud hat ungefähr fünf Häuser vor ihrem Balkon hängen. Ich könnte mir eines ausleihen und Krähen füttern.

Danach war ich in einem Copyshop. Da sich meine tägliche Bewegung zwischen der Wohnung und dem Gaspedal meines Autos abspielt, bin ich dort leicht hingelangt, musste aber zu meinem Bedauern feststellen, dass die Hose nun zu eng ist und beim Sitzen in die Blase drückt, die sich danach erst entfalten muss. Während sich also meine Eingeweide in der Copyshopschlange wieder entfalteten, was mich grantig machte, denn das tut weh und außerdem ist es da drin naturgemäß sehr warm, stand da vorne so eine rüstige Alte und beschwerte sich, dass das System umgestellt wurde und ihr das vorher niemand gesagt hat. Sie konnte gar nicht aufhören sich zu beschweren, beschwerte sich auch noch als ihr alles gezeigt wurde und es nicht gleich funktionierte. Mir wurde es dann auch gezeigt und ich finde das System super – außer, dass es halt noch nicht gleich so klappt, wie das nun mal so ist bei neuen Systemen. Bei mir ist es dann aber gegangen – weil ich einfach die viel sympathischeren Energien habe als diese Person – und ich konnte mich der Frage widmen, wie ich das Blatt nun symmetrisch zuschneide. Aber auch das habe ich hinbekommen und konnte von Dannen ziehen. In mein kühles Zuhause, zu dem einzigen Rock, der mir noch passt. Süßigkeitenfrei sind wir derzeit leider, aber das kann ich jetzt noch nicht lösen. Zuerst muss ich Vitamin-D produzieren am Balkon, wenn die Sonne wieder rauskommt. 🙂

 

Geduld

Vor dem errechneten Termin zu warten ist irgendwie witzlos und trotzdem tue ich es. So anstrengend dieser Sommer, aber zum Glück ist mir noch die ganze nächste Woche ein gutes Wetter vorausgesagt. Sonne, Regen und Gewitter werden sich abwechseln. Tut mir leid für Euch anderen, ich würde mich auch mit einer Gewitterzelle über mir begnügen, aber so geht es auch. 🙂
Livia weilt bei den Großeltern. Sie wollte mich fragen, ob sie noch bleiben darf, hat es aber dann mit „Du, ich bleibe noch bei Oma und Opa.“  anders formuliert. Na gut, das ist in Ordnung. Sie wird bei Heimweh gebracht, da ich den Tiroler auch nicht mehr die Stadt verlassen lasse.

Also ich warte und gedulde mich, mit allem was dazu gehört. Eine wunderbare Übung, achtsam da zu sein, das Leben so anzunehmen (versuchen) wie es sich mir gerade zeigt, alle Gefühle der Geduld und Ungeduld – so weit wie möglich – wertfrei zu akzeptieren. Die Schwangerschaft mit Livia war emotional viel einfacher, weil da wenig Sorgen war. Die Schwangerschaft mit Rosalie war in körperlicher Hinsicht gleich einfach, allerdings die Sorgen… Dafür hat Rosalie mit mir unglaublich viel meditiert. Maggie meint, das wird ein ausgeglichenes Kind und später ein Guru. Sehr schön. Ich habe tolle Töchter. Die eine ist unglaublich gescheit und wird Wissenschafterin, aber nicht Fachidiotin. Und die andere wird ein Guru und ihre eigene spirituelle Richtung begründen. Ich kann mich zurücklehnen, meine Arbeit ist getan. 😉

Mir ist dann doch noch was zum Shoppen eingefallen. Weil ich schon ganz lang darum herumschleiche, habe ich mir eine sehr coole Meditationsbank in „Eiche natur“ bestellt und frage mich, wer kommt zuerst. Rosalie oder sie? http://www.ombow.de/

 

In der letzten Schwangerschaft war alles ganz anders

Das denke ich mir die ganze Zeit und die ganze Zeit komme ich drauf, dass manche Aspekte ganz gleich waren. Ich habe in Erinnerung, dass ich keinerlei Vorwehen hatte und auch kein Sodbrennen, dafür aber Ischias. Gut, ich erinnere mich, dass ich in den letzten Wochen ziemlich immobil auf der Couch gelegen bin und grantig war und den Tiroler um allerlei gebeten habe. Oder es versucht habe. Damals hatten wir noch keine Putzfrau und der Tiroler kümmerte sich ums Staubsaugen wegen meines Ischias. Aber sonst war alles easy. Emotional war es das auch. Kein Blutdruckmessgerät löste in mir zwei Mal täglich phobische Zustände aus und niemand hat meine Gesundheit so nachhaltig in Frage gestellt, indem er mir eine frühe Präeklampsie androhte. Aber das ist lang vorbei. Früh wäre 24. Woche gewesen. Mein Blutdruck wird zu Beginn dieser Schwangerschaft schon von der Nachbarin beeinflusst gewesen sein. Vielleicht war er im Studentenleben, in dem ich ausschließlich schwanger und ein klein wenig studierend war, tatsächlich niedriger, als in meinem wirklich schwierigen Job, mit einem kleinen Kind, etwas Zeitnot und der Ausbildung. Könnte schon sein, dass er von einem niedrig-normalen zu einem höher-normalen geworden ist. Abgesehen davon gab es damals bei ÄrztInnen schon damals Ausschreitungen. Ich habe einfach Prüfungsangst und vertrage es nicht, an so einem Gerät zu hängen. Aber damals war es so mild, dass es keinen Anlass gab, darüber nachzudenken.

Immer wenn ich meine aktuellen Beschwerden google oder in meinem Blog nachlese, finde ich mich selber, wo ich genau das beschrieben habe, was ich jetzt auch habe. Vorwehen oder Senkwehen, Sodbrennen, Grant, Immobilität. Auch damals suchte ich einmal die Ärztin früh auf, weil ich Wehen spürte, die es dann nicht waren. Und einmal das Krankenhaus. Dieses Mal war ich deswegen nur einmal im Krankenhaus und verzichtete all die weiteren Male, wegen dieser „Wehen“ ärztlichen Rat in Anspruch zu nehmen. Weil was solls. Die meisten Schwangerschaften gehen mit einer normalen Geburt zu Ende. Außer das Krankenhaus greift so viel ein, dass es dann ein Kaiserschnitt wird, für den Frau froh sein kann, weil sie vermeintlich gerettet wurde.

Bei dem Thema werde ich wieder bissig. Ich weiß, dass es nicht auf alle zutrifft und es ist gut, dass es die Möglichkeit gibt. Aber die Dinge sind oft hausgemacht und das kann man nicht oft genug sagen. Die Retter der Frauen sind oftmals gleichzeitig auch die Panikmacher. 😛

Endschwangerschaft

Wahnsinn, wie anstrengend das ist. Also schon schön, wenn man von oben Bauch und FlipFlops dahinwackeln sieht. Aber schon mühsam wenn drin das Kind auf und ab peppelt, vor allem auf der Blase. Und wenn nächstens beim Umdrehen, das Kind innen, zarte 2,5 Kilo auch auf die andere Körperseite gelegt wird und sich erst wieder alle Organe verdrängen lassen müssen. Besonders freundlich, wenn dann an den Mutterbändern gezerrt wird, weil der Bauch nicht optimal liegt und man vor Schmerzen sofort ein Magnesium braucht. Magnesium, in Form von Magnosolv, enthält Zucker, weshalb man als nächstes Sodbrennen kriegen wird. Schlafen tu ich aus irgendwelchen Gründen trotzdem gut. Ich schlafe gleich wieder ein, auch wenn ich 5 Mal die Nacht wach bin.
Und ich verweigere es neuerdings die Stadt zu verlassen. Nachdem ich auf der Pack stand, es bei den Pedalen in mein Auto hinein regnete und die Lüftung ihren Geist aufgab, beschloss ich, dass ich für derlei Abenteuer nicht mehr stressresistent genug bin.

Lieber ruhige Sommertage für mich. Einkaufen zum Billa, Kind aus dem Kindergarten abholen, abends am Balkon sitzen, 20 Minuten spazierenschleichen. Das genügt.

Heute vor einem Jahr

Da war ich im Krankenhaus um kontrollieren zu lassen, ob mit Livia alles ok ist. Zunächst war es das nicht. Sie hatte wohl die Nabelschnur abgedrückt und das hat sich am CTG gezeigt. Es folgten ein Langzeit-CTG von 2, 5 Stunden, Blutabnahme, Blutdruckmessungen. „Alles war in Ordnung“, sagte die Hebamme, „Sie können wieder gehen.“ „Es ist alle in Ordnung, aber ich möchte jetzt die Geburt einleiten,“ sagte der Arzt – Aha. Er konnte mir nicht erklären, wieso er einleiten möchte, wenn alles in Ordnung ist. Er konnte schon eine Erklärung finden, die er vernünftig fand: „Es wird bald losgehen, da können wir einleiten auch. Das Kind ist so weit.“ – Wieder aha. Ich habe meine Hebamme angerufen, erzählt was passiert ist, habe mich angezogen und den Revers unterschrieben. Die dortige Hebamme hat mich unterstützt, als der Arzt weg war. Sie würde das auch machen, sie wünscht mir viel Glück für die Geburt und ich soll kommen, wenn ich mich nicht wohl fühle. Und ich bin gegangen, mit den wildesten Zweifeln. Aber ich hab _gewusst_, dass es richtig ist. Was soll ich im Krankenhaus, wenn alles in Ordnung ist, was werde ich Livia einen Geburtstag aufzwingen, wenn doch alles passt? Das ist doch absurd!

In einem hatte der Arzt Recht: Sie hat sich bald auf den Weg gemacht! Keine 48 Stunden später war sie da, frisch und munter.

Niemals werde ich wieder eine Vorsorge im Krankenhaus machen, wenn nicht die Notwendigkeit dafür besteht. Der Revers mit dem kleinen von JuristInnen formulierten Satzteil „kann den Tod des Kindes zur Folge haben“ zu unterschreiben war eines der schwierigsten Dinge, die ich je getan habe.

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Der güldene Schein

Vor und nach der Geburt wurde mir mitgeteilt, dass sich über diese bald „der güldene Schein“ legen würde, sodass frau sich nicht mehr daran erinnert, wie es war.

Ich muss sagen: nein. Obwohl es ratzfatz ging und ich in zwei von den vier Stunden gemütlich im Pool in meinem Wohnzimmer gelegen bin und mich entspannt habe. In den nächsten zwei Stunden dann weniger und weniger. 😉 Ich war so bei Sinnen, dass ich an jene Freundin denken konnte, die während der Geburt aus dem Fenster springen wollte und hätte zum Schluß durchaus einen Kaiserschnitt ohne Narkose in Erwägung gezogen, wenn das in meinem Wohnzimmer machbar gewesen wäre.;) Also kein güldener Schein. Aber sicher wieder eine Hausgeburt. Weil: Wenns einmal geschafft ist, kann man das immer. 😉 Oder: Wenns dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen. 😀

Ich bin auch noch jetzt beim Anblick jeder Schwangeren froh, dass ich es nicht mehr bin. Gott sei Dank, schönes Baby hier, Schwangerschaft vorbei.

Da ruft heute Sh. an und verkündet die wunderbare Nachricht: Nachwuchs ist in Sicht!! Und ich sag: „Oh, wie schön! So eine schöne Zeit die Schwangerschaft. Ist ja alles nicht so schlimm, die Übelkeit vergeht… “ Ich war erstaunt, sehr erstaunt über meine Worte.
Alles vergessen? Sieben Wochen Übelkeit, Ischiasbeschwerden, Kurzatmigkeit … Ja, ganz offensichtlich.

Das Schöne daran war froher Hoffnung zu sein und mit dieser frohen Hoffnung durch alle Alltagssituationen zu gehen. Ich hab mich leicht gefühlt und zuversichtlich, abgesehen von der beschriebenen Plage. Und das war so schön. Wie wir dann erfahren haben, dass es ein Mädchen wird, im Zug die ersten Klopfzeichen, die sich wie Schmetterlingsküsse angefühlt haben, Baby-Schluckauf in der Badewanne, wie es Herbst geworden ist und alles beschwerlicher, und dann Winter und Weihnachten. Wie ich bei unserem fröhlichen Adventfest noch Pralinen gemacht habe mit meinem Riesenbauch und wir haben zusammen Kekse gebacken…Das ist alles noch einmal so schön gewesen mit meinem Frohe-Hoffnung-Bauch.

Livia ist da :)

Am 8.2. ist sie gekommen. Unser Sonntagskind 🙂 Ganz schnell ist es gegangen, daheim wie geplant. Die Worte „schöne“ und „Geburt“ kommen mir noch nicht gemeinsam über die Lippen 😉 Aber wenn man es so sagen will, ja das war es. „Schöner“ wäre es nicht gegangen. Ansonsten muss ich mich erholen.

Ein neuer Gedanke ist mir gekommen. Ein Menschenleben ist nicht nur deswegen wertvoll, weil jeder Mensch einzigartig ist und weil es vergänglich ist. Sondern auch deswegen, weil dieser Mensch von jemandem geboren wurde. Man sollte achtsamer mit den Schmerzen anderer Menschen umgehen.

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