Aus dem Kärntner Brautführer: Nur Mut zum Kind!

Wenn in Notzeiten der Existenzkampf besonders schwierig wird, liegt die Gefahr nahe, dass man den „Mut zum Kinde“ nicht aufbringt. Die verschiedenen Gründe dafür scheinen manchmal Berechtigung zu haben, wenn man nicht tiefer schaut. Wie verstehen Sie, dass vor dem ersten Weltkrieg sich der Kinderreichtum fast ausnahmslos nur in den ärmeren Schichten des Volkes findet? Warum werden im Verhältnis mehr Kinder bei armen Keuschlern und Kleinbauern gezählt als bei Großgrundbesitzern? Liegt nicht die Vermutung nahe, dass der Reichtum zur Bequemlichkeit verleitet, zum Sichausleben, zum Gemuß – also mit einem Wort: zur Selbstsucht? Ein Kind kostet nun einmal wirklich Schmerzen, Opfer und Verzicht auf vieles, und wem es nun nicht aus irgendeinem Idealismus heraus Erfüllung und Krönung seines Lebens bedeutet, der wird es dann tatsächlich nicht ertragen können. Bei kinderreichen Eltern (soferne sie es nicht aus Hemmungslosigkeit geworden sind – Anm: 😀 ) findet sich stets irgendeine ideologische Einstellung zum Kinde; sei es der noch persönlich-egoistische Wunsch nach Erhaltung der Dynastie, sei es das soziale Empfinden des einzelnen, sei es Gehorsam gegenüber Gottes Willen und Auftrag in der wahrhaft christlichen Ehe. …

Auch mir haben sogenannte „gute Freundinnen“ die Schattenseiten des Muttertums aufgezählt – und als ich später einmal, als glückselige Mutter von vier Kindern, lächelnd dieser „guten“ Ratschläge gedachte, machte ich erst die erstaunliche Entdeckung, dass alle diese Menschen ja kinderlos waren und es auch geblieben sind, dass sie niemals das hohe Glück gesunden Muttertums an sich erfahren durften, dass sie nichts um die Sonnenseiten wussten! …
In der vergangenen schwersten Notzeit haben viele Menschen ihre Nerven verloren und haben kapituliert, sind aus Angst aus dem Leben geflüchtet – und es waren fast durchwegs Menschen ohne Kinder. Ihnen hat die Kraft gemangelt. Und wenn es schon einmal eine Mutter war, die den Tod suchte, vielleicht gar gewaltsam ihre Kinder mitnahm, dann war mit Sicherheit ein psychischer Defekt anzunehmen. …
Eine andere Art eigensüchtiger Abwehr des Kindes ist die Furcht vor einer eventuellen Verunstaltung, und wenn dies auch nur für einige Monate wirkliche Tatsache würde. Der arme Mann, der eine solche Zierpuppe heiratet! Nach längstens zehn Jahren hat er sie wahrscheinlich doch satt, denn die schöne Hülle, die er begehrt und gewählt hat, bleibt nicht ewig jugendfrisch (Anm.: vielleicht doch, wenn sie nur die Pflegeratschläge im hinteren Teil des Brautführers berücksichtigt – es liegt in der Hand jeder Frau schön zu sein! 😉 ) und Geist und Gemüt, welche nun vorherrschen sollten (Anm.: das Buch ist inkonsistent. Weiter hinten geht es eben gerade nicht um „Gemüt“), fehlen meist ganz. So steht sie nun da mit leeren Händen, hat keine Seele, die ihr wirklich ganz zugehört. Und dann…? …
Über die organische Schädigung durch die gewaltsame Verhütung der Empfängnis wird der Berufenere, der Arzt, zu Ihnen sprechen. Ich möchte Ihnen als Mutter und als Pädagogin nur einiges zur Überlegung sagen: Wenn ein Ehepaar mit oder ohne wissenschaftlich geprüften und schädlichen Mitteln die Zeugung für etliche Jahre verhindert ….
… ältere, nervöse Mütter sind selten gute Erzieherinnen, zumindest fühlen sie sich nicht mehr richtig in die Welt des Kindes ein. Entweder können und wollen sie dies gar nicht mehr, sind die Nerven zu müde und zu gereizt, oder man begegnet dem entgegengesetzten Fehler: der Vergötterung des meist einzigen Kindes.
In vielen Schuljahren konnte ich die Wahrnehmung machen, dass die meisten Kinder älterer Mütter entweder sehr nervös oder Automaten oder aber Typrannen waren. An diese Verantwortung dem Kinde gegenüber denken nicht zu viele künftige Eltern. …

Aus dem Kärntner Brautführer: Unerwartete Gäste

Wenn Ihr lieber Mann Sie einmal mit der Eröffnung „Liebling, ich bringe heute Gäste!“ überrascht, … dann, meine Liebe, bitte kein entsetztes Gesicht machen, und dem sonst so gescheiten Mann die Schwierigkeiten einer solchen Situation für eine Hausfrau zu erklären versuchen! Es wäre erstens zwecklos und Ihr Gatte würde überdies bei der nächsten ähnlichen Gelegenheit mit seinen Freunden in ein Lokal gehen. Und dabei hätte er so gern gezeigt, was für eine prima Hausfrau er sich ergattert hat.
Also zeigen Sei sich erfreut und beweisen Sie ihm, welch Prachtstück Sie sind…

Selbstverständlich haben Sie sich selbst besonders nett zurechtgemacht, den Küchendunst aus den Haaren gebürstet, sollte die Zeit nicht mehr zum Umziehen gereicht haben, das Hauskleid mit einer hübschen Ansteckblume geziert … empfangen den Besuch strahlender Laune, als hätten Sie gerade auf ihn sich besonders gefreut.

Sollte sich das Gespräch nach drei Stunden noch immer um Kriegs-, Schul- oder Berufserinnerungen drehen, so lassen Sie es sich bitte nicht verdireßen und zeigen sich nicht zu sehr gelangweilt. Auch der beste Ehemann und vollendetste Kavalier muß einmal „männliche Gespräche“ führen können. Man ist Ihnen auch sicherlich nicht böse, wenn Sie sich um elf Uhr zurückziehen (natürlich nachdem Sie vorher einen guten Mokka in Griffweite bereitgestellt haben), denn manchmal gibt es auch voreheliche Erinnerungen, die nicht gebeichet wurden.

Aus dem Kärntner Brautführer: Körperpflege – Schönheitspflege

„es sind sogar uralte Weisheiten, die Jahrhunderte vor uns schon von klugen Frauen befolgt wurden und wesentlich zu ihrem Lebensglück und ihren Erfolgen beigetragen haben. … In wenigen Jahren würde zweifellos der häßĺiche Mensch ausgestorben sein, wenn man die Kunst, schön zu sein, von Jugend auf systematisch erlernte. … Man verlangt von einer Frau, dass sie schön sei im Sinne der Gepflegtheit, der Beherrschtheit. Schönheit und Liebreiz einer Frau, die in der Gepflegtheit ihren höchsten ästhetischen Aussdruck finden, bedürfen jedoch einer sehr sorgsamen Betreuung … Gepflegte Schönheit gibt dem Dasein der Frau einen besondern Wert, gutes Aussehen gibt ihr die innere Sicherheit, die notwendig ist auf dem Wege ihres Lebens. Schönheit und Liebe sind eng miteinander verbunden und deshalb hütet und fördert jede kluge Frau dieses kostbare Gut.

Jede Frau hat Anrecht auf Schönheit. Ist sie von Natur aus weniger begünstigt, so liegt es nur an ihr, auch zu den gutaussehenden Frauen zu gehören. …

Manche Ehe war im Begriffe zu scheitern, weil die Frau zu wenig bedachte, dass der Mann in ihr ein Wesen haben will, das ihm, auch wenn der Alltag ihn abends müde nach Hause kommen läßt, Freude schenken soll, nicht nur durch ein fröhliches, offenes Herz, sondern auch durch die Frische und Gepflegtheit ihres Körpers. …

Vergessen sie nie, dass Männer wohl gerne gefplegte Frauen um sich haben, aber mit all den kleinen Mühen, die damit für uns verbunden sind, nichts zu tun haben wollen. mit ein bißchen Geschicklichkeit können wir alles so einrichten, daß selbst unser für die Nacht sorgfältig gecremtes Gesicht gar nicht auffällt. …

Ihr Mann soll doch das Gefühl haben, sie machen sich vor allem für ihn schön. Und ist es nicht geradezu verletzend, wenn Sie sich ihm abends, für die Stunden Ihres Alleinseins so unvorteilhaft wie möglich zeigen? …

Vergessen Sie nie den Geschmack Ihres Mannes zu berücksichtigen, denn vor allem sollen Sie ihm gefallen. Freundinnen sind oft unaufrichtig in solchen Dingen. Hören Sie lieber auf ihn, er ist maßgebender für Sie.

Nichts im Leben bleibt erhalten, was nicht gepflegt und kultiviert wird. In der besten und glücklichsten Ehe darf es an dieser Erkenntnis nie fehlen. Versuchen Sie es; die Freude, die Sie aus den Augen Ihres Mannes lesen werden, wird der Lohn für kleine Mühen sein.“

Aus dem Kärntner Brautführer: „Eine kluge Frau plaudert“

Weil angeregt wurde, dass ich weiter ein bisschen aus dem Kärntner Brautführer zitiere… Bitteschön:

Charlotte, eine erfahrene Ehefrau schreibt an Renate und klärt sie über einige Aspekte der Ehe auf…

„Meine liebe Renate!

Wirst Du nun sehr enttäuscht sein, wenn aus diesem stets gut gelaunten Kavalier ein morgendlich zerknittertes Etwas wird, mit sich und der ganzen Welt auf Kriegsfuß, weil ihn ein rasselnder Wecker aus dem besten Schlaf zu reißen wagte. Für Deine neue reizende Nylon-Schürze (Anm.: 😀 😀 😀 ) kein bewunderndes Wort, geschweige denn ein entzückter Blick! … auch er ist im Grunde seines Herzens ein kleiner Bub geblieben, der verwöhnt und umsorgt sein will, ohne sich jedesmal bedanken zu müssen. Tut er es hier und da, so zeige ihm, wie sehr Du Dich darüber freust, denn Du kannst ihn schon ein bißchen erziehen, nur darf er es beileibe nicht merken. …

Lächle, meine Liebe, zu allen seinen Schwächen, nicht etwa pikiert, wenn es auch noch so schwer fällt.  Sollte er zum Typ der meisten Männer gehören, die schon beim letzten Bissen verlangend nach der Zeitung schielen, sei geduldig und laß Dich’s nicht verdrießen. Bevor  er sie nicht gelesen hat, kannst Du ja doch kein vernünftiges Wort reden. Denk an den kleinen Buben, der nur böse und trotzig wird, wenn er nicht tun darf, was er gerade möchte.

Zuallerletzt: Bewundere ihn! Das braucht er zu seinem Wohlbefinden. Bewundere ihn, wie prächtig er Dir den Nagel in die Mauer schlug, auch wenn die frischgemalte Wand nun ein Riesenloch ziert. Was immer er Dir an Hilfeleistungen bietet, und wenn es noch so vorbeigeraten sein sollte, finde ein dankendes, anerkennendes Wort dafür. Du erziehst ihn damit zum aufmerksamsten Kavalier, zum idealen Ehemann. … „

(aus dem Kärntner Brautführer, 1964, S 74ff.)

Zusammengefasst: Männer sind kleine Buben, die man auf keinen Fall ernst nehmen muss, Volltrottel, die man anlügen muss, weil sie es selber nicht merken, wenn die Wand bröckelt, weil sie einen Nagel nicht gut hinein geschlagen haben, und die es nicht merken, wenn sie angelogen werden. Außerdem kann man von ihnen nichts verlangen und wollen. Denn sonst werden sie trotzige kleine Buben.

Als nächstes werde ich mich den Schönheitspflichten der Frau widmen. Denn während der Mann bewundert und geschont werden muss, ist es Aufgabe der Frau, so schön wie nur möglich zu sein (selbst wenn sie von der Natur nicht gar so gut ausgestattet wurde). Aber auch für dieses Problem gibt es Tipps 😉

Kärntner Brautführer: Wie klärt man die Kinder auf?

Heute also Teil 1, der uns in die Welt von 1964 führt.

Der Kärntner Brautführer warnt vor „unerleuchteter Prüderie“ und empfiehlt die Kinder aufzuklären. „Wo das Kind ein Recht hat, die Wirklichkeit zu erfahren, soll man ihm keine Märchen aufbinden.“ – Bitte den Satz dringend merken und das Folgende vor seinem Hintergrund lesen. winkend

„Die Mutter erzählt dem Kind eines Tages – scheinbar zufällig – … dass es neuen Monate in der Wiege unter ihrem Herzen gelegen sei. Diese Wiege habe der liebe Gott eigens für das Kind dort geschaffen, und er habe sie so warm und so wohlig geschaffen, dass es darin so sicher und munter geschlafen habe wie das Vöglein in seinem Nest oder wie das Kindlein in seinem Bettchen. … Vielleicht folgt die gefürchtete Frage: „Wie bin ich denn dahin gekommen?“ … Du hast schon gesehen, wie im Frühling ein kleines Hälmlein aus dem Boden wächst. Das Hälmlein wird immer größer, und schließlich ist eine richtige Blume daraus geworden. Das hat die warme Sonne gemacht, sie hat mir ihrem Licht und mir ihrem warmen Schein das Hämlein, das in der Erde schlummert, geweckt, zum Wachsen und zum Blühen gebracht. So ist es auch in meiner kleinen Herzenswiege zugegangen, eine warme, helle Sonne hat geschienen und dich – wie das Hälmlein aus der Erde – geweckt. Diese Sonne, das war die große Liebe deines Papas zur Mama. Sie hat dich so in meiner Wiege zum Leben erweckt, wie der Kuss des Prinzen das schlafende Dornröschen.“

– Da frage ich mich jetzt: Hat man das 1964 noch so geglaubt? Man sollte ja keine Märchen erzählen… Und gleich werden wir wissen, dass die Geschichte mit den Blumen und den Bienen aus Kärnten kommt. frech

Wenn etwas Wasser die Drau runtergeflossen ist und sich das Wissen gesetzt hat, erklärt die Mutter weiter:

„Du erinnerst dich noch an das Hälmlein, aus dem die große Blume gewachsen ist. Wenn aus der Blume eine Frucht werden soll, dann muss sie vorher durch den Samenstaub einer anderen (männlichen) Blüte befruchtet werden. Du hast doch letzthin bei unserem Spaziergang gesehen, wie über dem Kornfeld eine ganze Wolke von Blütenstaub schwebte. Diese Wolke fällt in kleinen Stäubchen auf die Ähren. Eines dieser Stäubchen wächst in den Fruchtknoten der Ähre hinein und verbindet sich dort mit einem von den vielen kleinen Eizellchen. Dadurch bekommt die Eizelle neues Leben; sie kann jetzt wachsen, bis daraus ein großes Korn gewachsen ist. Bei anderen Blumen aber wird der Blütenstaub … durch Insekten z.B. durch Bienen – auf die weibliche Blüte getragen. So ähnlich geht es auch bei den Menschen. Zu der winzig kleinen Eizelle im Schoß deiner Mutter musste erst ein ganz kleines goldenes Stäubchen des Vaters kommen, ehe es wachsen konnte. … Dadurch dass der Mann seine Frau liebt und immer bei ihr ist, wird und wächst das Kindlein in der Wiege ihes Herzens. … Und das Kindlein erbt von beiden das Aussehen und die Eigenschaften. Woher das alles kommt und warum das so ist, kann keiner sagen. das ist ein Geheimnis vom lieben Gott und das ist sein großes, allerschönstes Wunder.“

Es wird noch erzählt, dass man den Körper heilig halten soll und dass man dann auch Kinder geschenkt bekommen wird.

Die Konsequenz dieser Aufklärung: „Es wird berichtet, dass nach einem solchen vertrauten Gespräch zwischen Mutter und Kind selbst sehr wilde Buben und ganz unsentimentale Mädchen der Mutter weinend oder jubelnd um den Hals fallen ob des großen Glücks, eine solche Mutter zu haben: „Mutter, jetzt hab ich dich noch viel lieber.“

Der Text stammt ursprünglich von Hans Wirtz, „Vom Eros zur Ehe“ und ist im tyrolia Verlag erschienen.

Aus dem Kärntner Brautführer: Eine Serie

Am Wochenende waren wir in Kärnten um meine Eltern zu besuchen. Und da ist im mütterlichen Bücherregal ein „Kärntner Brautführer“ aufgetaucht. Eine Bedienungsanleitung für Frauen, damit sie perfekte Ehefrauen werden aus dem Jahre 1964. Kurz zusammengefasst: Ohne eigene Bedürfnisse, dem Manne stets untertan. Lieb lächelnd natürlich. Durch’s Internet geistert so eine Anleitung, allerdings eine amerikanische. Ich wusste ja nicht, dass auch bei uns so ein Geschreibsel auch verteilt wurde und – man beachte – vom Staat finanziert wurde!

Ich habe mir vorgenommen, in der nächsten Zeit aus diesem Buch zu zitieren, weil das so krass ist. Das ist 44 Jahre her. Allerdings hat sogar meine Großmutter zu lachen begonnen (was jetzt auch nichts heißt, denn das Patriarchat wurde bei uns nie hochgehalten winkend ) und gemeint, den Schwachsinn habe sicher ein Mann verzapft. Das ist aber ein Irrtum. Dieser Mumpitz wurde auch von Frauen verfasst.

Bald werden wir also lernen, dass wir als Frauen uns das Gesicht am Abend eincremen müssen, dann aber schön abtupfen, damit wir nicht unseren Ehemännern den Anblick verderben, wenn wir ins Bett gehen. Unsere Ehemänner sind im Grunde ihres Herzens eh kleine Buben, denen man ihre Launen nicht übel nehmen sollte. Wohingegen sie Anspruch haben, auf eine glückliche, lächelnde Ehefrau, wenn sie nach Hause kommen nach einem harten Arbeitstag. Was für Weisheiten!