Ganz oben auf der Leiter

Ich mag ja diese Omasprüche und deswegen darf man mir auch damit kommen. Zwischen Mitternacht und jetzt habe ich mit dem Tiroler einen Plan geschmiedet und ein Mail geschrieben um überhaupt einmal einen Termin zur Selbsterfahrung auszumachen. Wir haben uns drei  Varianten der Rosalie-Betreuung überlegt und eine davon wird klappen. Die Frau, die mir meine Homepage macht, hat mir geschrieben und mir eine Checkliste übermittelt, mit der ich mich befassen muss. Dafür habe ich jetzt eine Woche Zeit. Also ja, neuer Tag, neues Glück, die Welt schaut heute schon wieder anders aus.

Außerdem habe ich erkannt, dass es praktisch ist, wenn man nichts kochen muss. Das spart Zeit. Ich ernähre mich von Butterkeksen und Vanillejoghurt. Wenn ich mich in der Menge zurückhalte vermehren sich meine Bauchkrämpfe nicht, aber ich kriege Kalorien, die ich fürs Stillen brauchen kann. Nicht dass ich dünn wäre, aber beim Stillen hungrig zu sein ist grausam. Da es bei Livia eine Woche gedauert hat, werde ich bereits am Dienstag wieder schmerzfrei sein und heute ist immerhin schon Donnerstag. 😉

Die gesparte Zeit nützt mir jedoch nur mäßig, denn Rosalie ist unrund und schläft keinesfalls allein. Rosalie akzeptiert jedoch  das Tragetuch und mag ganz offensichtlich Udo Jürgens  und schläft schon, während ich blogge. Ich eigne mich nicht für längeres Unglücklichsein. Deswegen strengt es mich zwar an, dass ich momentan so wenig Minuten wirklich verlässlich frei habe. Um vielleicht einmal auf meinem Meditationsbogen zu sitzen und da zu sein. Andererseits gibt es kaum einen besseren Meditationsgong als ein Baby. Entweder man nimmt das Baby selbst als Gong oder, wenn man das Gefühl hat, ohnehin nur mehr mit dem Baby befasst zu sein, stellt man sich das Handy einmal die Stunde und tut das, was man gerade tut, bewusst. Drei Minuten lang. Das habe ich für heute so eingestellt. Ich bin übrigens nicht nur mit dem Baby befasst. Jedenfalls nicht zu den vollen Stunden. Um 11.00 bin ich zB  oben auf der Leiter gestanden um auf den Schuhkasten zu kommen, auf den der Tiroler die Gemüsekisten vom Biobauern geräumt hat und habe darin die Biobauernrechnung gesucht.

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Psychosomatik – Redewendungen

Heute sehr spannendes Seminar über Psychosomatik und die erste Aufgabe war, Redewendungen  zu finden, die eine Verbindung zwischen Körper und Seele ausdrücken – Wald- und Wiesenpsychosomatik. 😉  Interessant ist die Frage, wer wen beeinflusst, ob seelische Zustände den Körper krank machen können. Aber es geht ja auch umgekehrt. Wenn jemand krank ist, steigert das üblicherweise ja auch nicht das seelische Wohlbefinden. Zwischenfrage: Was ist eigentlich die Seele?  – Ich denke, dass verschiedene Zustände gleichzeitig auftreten und je nachdem, was gerade im Vordergrund steht, wird wichtig genommen. Ein Magengeschwür zu behandeln und sich dabei nur auf die enge medizinische Schiene (nur Körper, nix Befindlichkeit) zu verlassen ist für mich ein Unding. Zu erzählen, dass das „nur seelisch“ ist und man nur das Leben ändern muss, damit es gut wird, ist auch ein Unding. Damit tut man, als ob wir unser Krank- und Gesundsein in der Hand hätten, folglich schuld sind, wenn was nicht passt…

 

Eine Auswahl von gebräuchlichen Redewendungen:

– etwas geht an die Nieren

– jemandem sitzt etwas im Nacken

– etwas lastet auf den Schultern

– auf die Nerven gehen

– sich den Kopf zerbrechen

– im Magen liegen

– der Schreck sitzt in den Gliedern

– blass vor Neid werden

– weiche Knie haben

– jemandem kommt die Galle hoch

– einen Knödel im Hals haben

– das Herz bleibt stehen

– etwas geht in Fleisch und Blut über

– mit gespaltener Zunge sprechen

– es verschlägt jemandem die Sprache

– blind vor Liebe

– blind vor Wut

– im Hals steckenbleiben

– den Kopf hängen lassen

– in die Knie gehen

– sich vor Angst in die Hose machen

– etwas schlägt auf den Magen

– die Nase voll haben

– die Haare stehen zu Berge

– Schmetterlinge im Bauch

– die Spucke bleibt weg

– blaß vor Neid

– das Blut gefriert in den Adern

– etwas ist schwer zu verdauen

– jemanden nicht riechen können

– Herzflattern

 

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Das Kindchen mit ihren bald zwei Jahren…

Ich habe kürzlich angedeutet, dass Livia eigene Vorstellungen hat, dass ich mich manchmal aber halt auch durchsetzen muss, und dass sie das lautstark kommentiert. Es hat mich nicht gestresst, bis mich eine Nachbarin darauf angesprochen hat. Sie hat das Kindchen so schrecklich weinen gehört und sie hat sich furchtbare Sorgen gemacht und eine andere Nachbarin hat auch besorgt aus dem Fenster geschaut. Super. Wenn sich andere furchtbare Sorgen machen, kann ich die kindliche Wut schwer so entspannt nehmen wie bisher. Mich wird ab nun die Frage beschäftigen, was  die Nachbarn denken. 😉

Und dann habe ich kürzlich geschrieben, dass mein Kind natürlich nicht immer nur geldwerte Geschenke (und möglichst viel davon) bekommen wird. Damit wollte ich andeuten, dass Bescheidenheit wichtig ist. Wozu ich meine Meinung geändert habe, nachdem ich meine Therapeutin konsultiert hatte. An dieser Stelle möchte ich erinnern, dass ich die Therapie selbstverständlich nur für meine Ausbildung brauche, und dass ich mich dort direkt langweile, weil in meinem Leben alles so super ist, dass da kaum was zu besprechen ist. 😉 Solange Geschenke nicht ein Ersatz für die Beziehung sind, ist überhaupt nichts dabei, viel zu schenken.  Kinder werden eher maßlos, wenn sie zu wenig kriegen. Das hat mir gefallen, also habe ich beschlossen, dass ich das nun auch so sehe. Daher kriegt Livia, neben einem Bobbycar, Puzzles, Büchern und einem CD-Player auch riesenhafte Bausteine, 48x16x8 cm.  Solche wollte ich schon immer haben! 😉 Aus Schaumstoff. Damit sie sie auch aufheben und stapeln kann. 😀 Schönes Leben in Fülle!

 

Das Problem, wenn man auf das Auto angewiesen ist, ist…

… dass man auf das Auto angewiesen ist. 😉

Gestern, um 7.30 habe ich mich daran erinnert, dass unser Auto im Winter Probleme hat. 7.30 ist insofern schwierig, als der Amtstag um 8.00 beginnt und ich da schon eine Weile am Gericht sein sollte. Ich habe mich beeilt, außen und innen Eis zu kratzen – weil irgendein Wahnsinniger das Fenster offen vergessen hat und ich habe das warnende Blinken der Temperaturanzeige ignoriert. Nur Gott weiß, weshalb sie zu blinken in der Lage ist, denn eigentlich haben wir den Kontakt unterbrochen, weil mich das Blinken wahnsinnig macht, Maßnahmen wie das Nachfüllen von Wasser aber nicht helfen. Gott sei Dank haben sich alle Türen schließen lassen, denn das ist bei Kälte keine Selbstverständlichkeit. Um Mitternacht habe ich noch gute-Mutter-Punkte gemacht, indem ich die Pixie-Bücher und Schleich-Tiere, die der Tiroler fleißig verpackt hatte, am Adventkalender befestigt habe. Ein Blick in Facebook und das heutige Gespräch mit meiner Richterin ergaben, dass ich nicht die einzige Mutter mit einer Mission war.

Am Gericht war heute alles anders. Das verkehrte Gesicht erwartete mich in meinem Büro. Meine LieblinkskollegInnen sind weiter gezogen und andere sind gekommen. Ausgetauschte sms ergaben, dass es die anderen nicht so gut erwischt haben. Ich habe Glück. Bei mir ist eine nette Frau eingezogen. Am Nachmittag hat der Tiroler das Kind von der Tagesmutter abgeholt, während ich bei meinem Homöopathen war und mich blamiert habe. Homöopathenbesuche haben immer peinliche Elemente – bei mir. Ich erzähle frei aus meinem Leben, schildere meine Beschwerden, erzähle Träume und aus meinem Seelenleben. Dafür hat er auch immer gute Mittel, die meinen Heuschnupfen verbessern oder mich mehr ich sein lassen. Nachdem das letzte den durchschlagenden Erfolg hatte, dass ich nun den Konflikt weniger scheue, was mich eine Freundin gekostet hat, aber ein paar gute Erfahrungen eingebracht hat, bestellt er mir das heutige Mittel aus England. Es ist ganz nah verwandt mit dem Letzten und ich habe ein bisschen Angst vor der Wirkung. Wer weiß, was ich da schon wieder tue. Meinen was-ich-schon-immer-sagen-wollte-Impuls, den der Homöopath ausgelöst und meine Therapeutin begleitet hat, wurde eher kritisch beäugt von denen, denen ich was sagen wollte. So war der Tiroler, den ich verfolge den Grundsatz der Ehrlichkeit ja noch immer, vorgestern fuchsteufelswild als ich neben ihm am Computer stand und ätzte. Wenn meine Therapeutin meint, dass das die Beziehung stärkt, dann täuscht sie sich gewaltig, tönte er. Das glaub ich aber nicht, denn meine Sticheleien haben zu einem guten Gespräch geführt. Niemand hat gesagt, dass Lebendigkeit in der Beziehung sich in jedem Moment gut anfühlen muss. 😉

Gehsteig und Vaterschaft

Als ich heute auf dem Weg von meiner Therapeutin zum Propädeutikum auf der Straße den Tiroler mit dem Kindchen getroffen habe, bin ich  stehen geblieben. Wofür gibt es eine Warnblinkanlage? Kurzes Familientreffen am Gehsteig. Da wir uns vorher nur die Türklinke in die Hand gegeben haben, mussten wir schnell knutschen. Livia wollte ich auch  sehen.  Ich war heute nur für den Transfer von Vormittagsbetreuung zu Mittagsschlaf zuständig, wir hatten uns noch nicht sehr viel… Unverständlicherweise wollte der Tiroler meine spannenden Erkenntnisse aus meiner Therapie im Hinblick auf unsere Liebesbeziehung nicht mitten auf der Straße besprechen, also bin ich weiter zu meinem Seminar gefahren und habe was über die verschiedenen psychotherapeutischen Schulen gelernt.

Arbeitstechnisch bin ich momentan auf Vaterschaftsfragen konzentriert. „Wer hat der Kindesmutter im fraglichen Zeitraum beigewohnt?“ (und wie viele 😀 ) „Nein, ich kenne diese Frau nicht, aber es kann schon sein, dass ich mit ihr geschlafen habe …“ 😀  Vrouwe meinte kürzlich, dass es besser ist, facebook-kompatibel zu leben. Das wäre schade.  Meine unterhaltsamsten Akten würden nicht mehr existieren und ich müsste wieder Romane lesen.  Ich habe allerdings ein gewisses Verständnis dafür, dass Leute es weniger lustig finden, mit ihren Geschichten vor Gericht aufzutreten. So hätte ich – ich plaudere hier übrigens nicht aus meiner mit Verschwiegenheitspflicht behafteten Arbeit, sondern tratsche den Umgebungstratsch weiter 😉 – keinen Nerv meine Ehe mit Hilfe von mehreren Zeugen zu beenden, die alle befragt werden, wann genau das Verhältnis mit einem von uns … Unverständlicherweise tröstet die betroffenen AusheulerInnen auch nicht meine Ansage, dass sie es nicht so schlimm nehmen sollen, denn sie heitern mit ihren Geschichten immerhin den Gerichtsalltag auf. Niemand nimmt sowas dort allzu tragisch, im Gegenteil… Doch einmal, als ich jemanden damit getröstet habe, dass sie vermutlich nicht die ersten sind, die mitten in einer Paarberatung aufgesprungen sind um lauthals streitend von dannen zu ziehen, da hat diejenige gelacht. Mit ein paar Jahren Abstand fand sie die Szene dann auch lustig. 😉

Der Tiroler gluckt

Seitdem ich arbeite, fällt mir auf, dass der Tiroler sehr gluckt. Ich muss um Aufmerksamkeit kämpfen, denn erstens redet er nicht mit mir, wenn Livia da ist und zweitens lässt er mich und Livia nicht in Ruhe, wenn wir miteinander was tun. Dank seiner Allzeitbetreuung kennt Livia Tiere, von deren Existenz ich nichts wusste. Kuskusse zB. Die mag ich besonders gerne wegen dem hübschen Namen, der mir unbändige Knutschlust beschert. 😉 Und dann kennt sie Krontauben und Baumkänguruhs und was weiß ich.

Das mag ich grundsätzlich, denn ich hab unter anderem deswegen tapfer eine Zigarette geschnorrt, damals, als mir der Tiroler gefallen hat und ich beschlossen habe, dass ich den jetzt haben will, weil ich ihn gescheit gefunden habe. Das ist er vermutlich, weil seine Eltern auch interessiert an vielen Dingen sind und all diese Dinge ihren Kindern beigebracht haben.

Gegen das Gluckige bin ich nur in den Momenten, in denen ich laut rufen muss, um wahrgenommen zu werden, oder in denen Livia von anderen Kindern ferngehalten wird, weil Papa mit ihr spielen will oder in denen meine überaus herzige Schwiegerfamilie halbwüchsige Mädels von Theaterveranstaltungen nach Hause bringt, weil es unzumutbar ist, einen Limonadefleck am T-Shirt zu haben. 😉 Auf einmal bin ich die Resche, Böse, Strenge.

Ich bin draufgekommen, dass ich mir den Morgen nehmen muss. Der Tiroler ist, aufgrund seines eher durchschnittlichen Energielevels, bereits von Kind und Arbeit, ohne Ausbildung und Ausübung mehrerer Hobbies, so ermattet, dass er den Morgenschlaf gut brauchen kann. Das könnte ich zwar auch, aber das Kindchen ist mit „Schlafsack ausziehen, Licht einschalten, aufstehen, Porridge essen!!!!“ tatsächlich so verlockend, dass ich oft gerne aufstehe. Um sechs Uhr morgens. Während der Tiroler schläft, können wir einen feinen Mutter-Tochter-Morgen haben. Ich dusche, sie spielt, wir ziehen uns an, wir frühstücken, sie sitzt am Computer und gibt sich Octopus Garden auf youtube, ich sitze am Computer und blogge. Ich mag das: Einfach miteinander daheim sein. Zwischendurch mal ein Buch lesen…

Meine Therapeutin, ich bin gerade in der Phase, wo ich für ihre Meinung immer einen eigenen Absatz einbauen könnte (was eine normale Phase ist 😉 ) findet, dass das schön fürs Kind ist, so verschiedene Elternteile zu haben. Alle ihre Bedürfnisse werden abgedeckt.  Das nach  dem Wissen über Kusstiere und jenes nach Freiheit. Letzteres kann ich ganz gut. 😉

Kein Anrecht auf mich

Isidora ist endlich aus Genf zurückgekommen. Sie ist jetzt Master und schwanger. Endlich darf ich es schreiben jedenfalls nehme ich es mir heraus, nachdem ich es höchstselbst gesehen habe. Ich weiß, dass Frauen zuweilen sensibel reagieren, wenn man ihren Bauch angreift. Isidora nicht. Als sie heute gekommen ist, habe ich zuerst sie geknuddelt und dann ihren Bauch. Wir sind in Beziehung, daher darf ich das. 😉 Und wenn es ihr nicht passt, dann muss sie mir das sagen. Wir sind in Beziehung, deswegen ist das dann auch kein Problem. – Wenn ich weiterrede, werde ich bald gehaut werden. 😉 – Derweil sie sich nicht aufregt, muss ich jedenfalls ihren Bauch extra begrüßen. 😉 Wir haben gegessen und Isidora hat mich dann zu meinem Auto begleitet. Wortreich wollte ich von der Türschnallenproblematik erzählen, von der ich hier schon berichtet habe. Aber sie kannte sie schon. Sie liest hier mit. Mehr als das, was ich hier erzähle, gibt mein Leben nicht her, was heißt, dass sie mich mit dem mitleidigen Schwangerenblick angeschaut hat, als ich von Livias Selbständigwerden erzählt habe… Ich bin  auch mit allen anderen Themen abgeblitzt, die sich angeboten haben, während ich an der Schnalle gerissen habe und dann zu meiner Therapeutin gefahren, um über meine Beziehungen… 😉 Die Türschnallenproblematik habe ich in dieser Woche noch nicht gelöst. Ein Freundinnenkaffee war deutlich  verlockender als ein Werkstattbesuch. Also hab ich den genommen und riskiert, dass ich bei meiner Familie in Kärnten über den Kofferraum aussteige. Meine Familie wird ihre Meinung zu meiner Ordentlichkeit festigen. Das ist gut. Stärkt das System, oder so. ;)) Das ist kein Problem für mich. Ich bin chaotisch, ich priorisiere manchmal nach dem Lustprinzip, weil nichts ein Anrecht auf mich und mein Tun hat. So auch nicht die Türschnalle unseres Autos, nicht die Küche, nicht die Sesselleisten im Vorraum, nicht der kaputte Wasserkocher und nicht die Bügelwäsche.

Am Ende der Woche bin ich müde, müde, müde. Nach meiner Mittagessen-Therapeutin-Livia-abhol-Ralley bin ich noch zum Psychodrama Seminar gegangen. Das ist so spannend, interessant und ich will genau das jetzt tun, ganz egal wie anstrengend es (auch) ist. Es ist jedenfalls goldrichtig.